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Way of Darkness 2007
18. November 2007
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Heimspiel, endlich mal nur 30 min Fahrt bis zu nem Festival. Das 3. WOD-Festival fand auf dem ehemaligen BGS-Gelände in der oberfränkischen Stadt Coburg statt. Das es bekanntlich im Oktober nicht mehr allzu warme ‚Passatwinde‘ gibt, fanden sich die Anhänger verschiedenster Metalgruppierungen in einem hiesigen Zelt ein. Nebendran gab es eine kleine Wiese für die Camper. Nur die Harten kommen in den Garten, das steht mal fest. Das Billing laß sich im Vorfeld schon super, schade nur das Possessed absagen mussten, dafür wurde aber mit Gorefest adäquater Ersatz gefunden, auch wenn es im Gästebuch des Veranstalters so einiges Rumgemecker gab. Die Leute verstehen es immer wieder nicht, was für ein Aufwand dahinter steckt, auf dei schnelle Erstaz zu finden und die Modalitäten zu klären. Okay, ich schweife vom Thema ab.

Pünktlich am Donnerstag treffe ich ca 15 Uhr ein, latsche durch den Backstage, treffe Bekannte und Bands, kurzes Pläuschchen, Bier holen und auf den Beginn warten.

Der Startschuss fällt mit den Grind-Noiser’n Phalluskult aus Coburg. Das Bühnenoutfit verrät wo’s lang geht. Blutverschmierte Hemden bzw. Metzgerkleidung, gutgelaunter Frontmann, der sich excellent auf seine Playlist eingestellt hat. Dies wurde nämlich aus einem Stahlhelm ausgelost. So gehts natürlich auch, warum immer so steif nach Regeln ?!Aus dem aktuellen Album ‚Filet Wellington‘ wurde eine Granate nach der anderen runtergeschmettert wie ‚Frischer Spint‘, ‚Anale Empfängnis‘, ‚Scheiss die Wand an‘ oder ‚Wer früher stirbt, ist länger tot‘. Kurze, heitere Anektoden und Statements auf was die Herren alles scheissen, weil so so wohlhabend sind, lockern das Programm gekonnt auf. Auch wenn die Combo den meisten unbekannt sein sollte, Bühnenerfahrung haben Phalluskult. Der Drummer verrichtet seinen Job ‚angestrendt aussehend‘ aber meisternd. Sänger und Bassist war der agilste, nur der Gitarrenmann wirkte etwas müde oder vielleicht auch schon besoffen ? Wer weiß, war ein netter Opener.

Der nächste Act hört auf den Namen TYP1 aus Sonneberg. Sozusagen auch fast ein Heimspiel.Die Jungs tingeln seit 2000 schon durch deutschen Landen und spieltenzahlreiche Clubgigs. Ihren Stil mag ich mal in die Metalcore-Schublade stecken, das passs glaub ich am besten hin. So langsam scheinen auch mehr und mehr Leute überhaupt ihren Weg in das Zelt finden. Jedoch postiert sich vor den eigentlichen Schauplatz, noch ein grosses Merchandisingzelt, durch das alle Besucher marketingtechnisch perfekt durchgelotst werden. Und ich frag mich, warums unserer Konjunktur so schlecht gehen soll ? Auch Metaller haben genügend Geld.

Das Set beginnt mit voller Energie, es ist ja auch keine Zeit zu verschenken, soll aber nicht heissen, das hier Hektik ensteht, um ja noch 2 Songs extra in die Spieltzeit zu quetschen. Nein nein. Der Sound brüllt gut aus der PA und mit Reissern wie ‚Bloody Signed‘, ‚Ravenous‘, ‚Under your justice‘ und ‚In her eyes‘ denke ich fährt man hier richtig. Die Gitarrenfraktions gibt sehr sehr ’smoothed‘, der Basser scheddelt sich einen Weg mit seiner Mähne, Frontmann Roy quält die Stimmbänder, alle sind sichtilich zufrieden, die Zuschauer und auch ich und hole mir Bier für den nächsten local Support.

Die madigen Schuhe betreten nach kurzer Umbaupause die Bühne. An der Stelle sei kurz erwähnt, das es beim Umbau der Backline dieses Jahr sehr zügig und professionell zu geht, es gibt diesmal auch Drumriser, das macht die Wartezeit extrem kurz. Jaja Maggot Shoes aus Coburg bzw jetzt Nürnberg, pure fuckin Grindcore ala Dead bestimmt hier das Programm. Seit 1993 besteht die Band jetzt, routiniert geht es ab, ein wenig zu routiniert, soll heißen, Müdigkeit macht sich breit oder so ähnlich. Zumindestens wirkt Fronter Marcel ein wenig ausdruckslos in seiner Performance, genau wie Gitarrist Kevin, zumal sein Sound auch noch sowas von Dumpf klingt, das es einem die madigen Schuhe auszieht (was fürn Gag). Einzig und allein Basser Alex wirbelt durch die Kante mit Propeller-Banging und absolut tigthtem Fingerspiel, eine Pracht. Schade nur das mittem im Set sein Instrument den Geist aufgibt, es unweigerlich zu einer längeren Pause kommt und die Zeit verstreicht. Schwamm drüber.

Anschließend betreten ABADDON INCARNATE aus Irland die Bühne. Die Band ist mir gänzlich unbekannt, aber deswegen bin ich ja da. Eine Mixtur aus Death Metal und einer Prise Grind würzen hier die Suppe und ich muß gestehen, garnicht mal so übel. Die Stageperformance nimmt zu, das animiert natürlich auch Meute vor der Bühne. So muß es sein. Das Auge hört auch mit, oder so in der Art. Und das gelingt Ihnen auch ganz gut. Das Publikum schwingt die Matten, es muß nicht immer technisch hoch hergehen, manchmal reichen auch die einfachsten stilistischen Mittel um zu überzeugen !

Nominon aus Schweden bieten nun allerfeinsten Schweden-Death. Mit Benediction und Holy Moses im September auf Europatour, könnte uns beweisen, das hier was ordentliches dahintersteckt. Und verdammt nochmal ja, das tut es ! Ich kann mich jetzt nicht an Songtitel erinnern, aber Namen sind wie Schall und Rauch, hauptsache es knallt. Sägende Elch-Gitaren ala Dismember, Gesangsgeröchel wie alte Entombedaufnahmen, leichte Melodien, Double-bass treibende Attacken, vermischt mit schleppendem Groove und Blastbeats. Ich bin restlos begeistert.

Für Holy Moses scheint es geradeweg einfach zu sein, den Gute-Laune-Faktor hochzuhalten. Angeheizt durch die Stimmung der Vorband bahnt sich jetzt nahezu ein wahres Spektakel ab Trash-Granaten an. Ob alte Sahnestücke, wie ‘‘Finished with the Dogs‘‘ oder Material des neuen Albums ‘‘Agony of Death‘‘ – Frontfrau Sabina Classen und ihre Mannen schaffen es ein Ambiente zu schaffen, das seinesgleichen sucht. Die Meute frisst ihr aus der Hand.

So weit so gut, meine Musikrichtung ist es nicht ganz genau, aber ich denke fast allen kam dieser Auftritt sehr gelegen. Für mich nun ein Höhepunkt, um das nun mittlerweile nicht mehr als Nebenprojekt geltende HOLLENTHON von Martin Schirenk in Augenschein zu nehmen. Kam ich doch bisher nicht in den Genuss, die oft gelobten Livequalitäten kennenzulernen. Ich wurde nicht enttäuscht, Musik spielen ist die eine Sache, Musik zelebrieren die andere. Was hier geboten wurde, war vom Allerfeinsten, einfach nur eine arschcoole Performance von Martin, Gregor, Martin2 und Mike. Besonders Bassist Gregor weiß es gekonnt mit dem Publikum umzugehen und sich frenetisch abfeiern zu lassen. Ja Leute auch das gehört dazu. Bombastische Sounds, ne gut inszenierte Lichtshow, ein fröhlich wirkender Herr Schirenk. Wers aufgrund des Alkoholkonsums doch verpasst hat, sag isch, Pech gehabt !

Auch wenn einige bereits Ermüdungserscheinungen aufweisen, Benediction muss noch sein ! Ich frage mich echt ernsthaft wie es die angehenden Rentner (keine Beleidigung) es schaffen, den ganzen auf den Beinen zu sein und in der Nacht mit einer Freude und nem Grinsen im Gesicht auf der Bühne zu agieren, Respekt. Denn die Briten sind seit 15 Uhr schon auf dem Gelände, machen Soundcheck und Darren Brooks sehe ich ständig mit Bierbechern rumschlendern.Nunja der Sound war bestens, schönes Gebange, ordentlicher Pegel in Hirn, ich kann die Setlist nun nicht wieder geben, aber glaubt mir, es war geil und die Nacht bricht herrein…

Tag 2 (03.10.08)

Aufgrund eines längeren Mittagsschläfchens (höhö man wird alt), treffe ich erst zu Dark Fortress wieder ein. Ich hörte aber schon das Hatred nachmittags gut abgesahnt haben, Lay Down Rotten nebenbei einen Carcass-Klassiker schmetterten und Manos so langsam den Westen erobert haben ! Scheisse.

Mit Dark Fortress fühle ich mich leicht in eine atmospherische Stimmung verzetzt, die auch von Farsot hätte stammen können. Nicht nur das Zelt war kalt, sondern auch das Ambiente, untermalt von einer meist in Nebel und mit blauem Licht durchfluteten Bühne. Tightes Zusammenspiel untermauerte zusätzlich den Status der Band als exzellente Performer. Super.

Anschließend abrupter Stilwechsel, welcher aber nun mal nicht unüblich ist, jeder will ja bedient werden. DESPONDENCY aus Niedersachsen entern die Stage. Death meets Grind. Die 4 Mann-Combo kann total überzeugen, solches Geröchel höre ich selten, stimmlich absolute Granate, kann man nicht meckern. Allerdings schien das Publikum darauf nicht so ganz vorbereitet gewesen zu sein, nur eine handvolle Menschtraube agierte im vorderen Bühnenbereich. Da nützte auch die Aussage von Sänger Konstantin nichts, der einfach zur Reaktion des Publikums meinte: „WEAK“. Unmut äußern, schön und gut, aber sowas ist deplaziert, schafft nicht unbedingt Sympathien. Nichts desto trotz, gutes Geballer, welches man einfach laut hören muss !

Die One Man Army ist leider ‚ausgefallen‘, ich zog mich zurück ins Merchandising-Zelt, um paar Raritäten zu suchen.

Pünktlich zu Endstille stand ich an der Bar, das war aber reiner Zufall und ich hatte auch nicht das kleinste Interesse, mich zur Bühne zu bewegen.Warum ? Weil meine Befürchtung war wurde, das sich der Gig genauso langweilig abspielt wie auf dem Party San im August zuvor. Sorry ich will die Band nicht schlecht machen, viele wedeldende Haare und betrunkene Körper kamen in Bewegung, aber bei mir gibt es nichts, was mir an Enfstille gefallen könnte.

Und auch heute natürlich wieder Elchfleisch, äh Elch-Tod. Schwarz-rotes Longsleeve, schütteres Haar, hallo Herr Petrov, time to mosh. Gesagt, getan. ENTOMBED spielen hauptsächlich die Songs der älteren Platten, die Massen toben und drehen durch, liegt eventuell ein bisschen am Pegel, den wirklich tight kommts mir nicht so vor, zu unhomogen klingen mir den Schweden heute. Bestätigt fühle ich mich durch Bassisten Gregor von Hollenthon, der neben mir steht und abwinkt. Scheint was dran zu sein. Aber im Endeffeckt sind die Leute zufrieden und das zählt zum Schluss und beim letzten Song ‚Left hand path‘ ist noch mal Aufbäumen angesagt. Danke Schweden.

Einer noch, dann iss aber Schluß, aber genau dieser eine Act hätte sich für mich alle mal gelohnt nur zu diesem Festival zu fahren. Schnell 2 Becher Bier geholt, denn zwischendrin hab ich keinen Bock zur Bar zu rennen, auch wenn es ein Balance-act ist mit 2 Getränken rumzustürzen, naja geht schon. Beginnend mit der immerwiederkehrenden Ansage, als ob es wirklich noch jemanden gibt, der die Band nicht kennt ? Kann ich mir nicht vorstellen. ‚Good evening, we are NAPALM DEATH‘, das ganze schön im Birmingham-Dialekt.Oh Mitch Harris heute garnicht dabei ? Ne Aushilfe ? Oh verguckt, man Mitch hast Du ne Plauze drangekriegt, ich glaubs ja nicht, aber solange die Hände noch an die Gitarre kommen, solchs Wurscht sein. Kurz Licht aus und schon wird das Gaspedal durchgetreten, hier gibts nur 0 oder 1.Keine Ahnung wieviel Songs auf der Setlist standen, es waren genügend. Mr. Greenway hatte wie immer diesen Epilepsie-Anfall (einmaliges Trademark), Mr. Embury schrubbt auf dem Warwick Bass rum, als ob der gleich zerbürstet, Mr. Herrera iss ne 1 am Schlagzeug und Mr. Harris füllt mit seiner Flying V den Soundteppich 100% zu. Nicht zu vergessen seine bösartigen Screamings, einzigartig, würd ich sagen. Was vor der Bühne abgeht, ist zu erahnen, absoluter Knochengulasch, wahrscheinlich haben sich in der Euphorie 50 Menschern innerhalb von 5 sec verknotet. Unfassbar, aber geil. Die Zeit vergeht im Flug, wie schon aus ? Mmmh, schnell noch paar Zugaben. Ungaublich wieviel Energie sich die Besucher aufgehoben haben bzw wieviel sie überhaupt haben. Eins steht fest: Napalm Death waren mehr als nur ein würdiger Samstag Headliner !!!!!!!