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With Full Force 2006
19. August 2006
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With Full Force 2008
19. September 2008
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Freitag, 29. 6. 2007

Nach der ersten, üblicherweise recht kurzen Nacht in einem noch kürzeren Wohnwagenbett und einem ausgedehnten 3 œ-Stunden-Frühstück ging es los zum Festivalgelände, denn pünktlich um 14.30 Uhr standen Gorilla Monsoon in den Startlöchern um das diesjährige WFF zu eröffnen. Die Sachsen erwiesen sich mit ihrer coolen Mischung aus Stoner Rock und Doom Metal als würdige Opener des Festivals und ließen wohl auch den letzten Ahnungslosen wissen, um was es bei diesem Festival geht. Ok, die Mehrzahl der Bands, die sich an den kommenden drei Tagen hier die Klinken in die Hand geben werden, werden ihre Songs wohl mit mindestens doppelter Geschwindigkeit zelebrieren, was vielleicht auch der Grund war, warum noch nicht allzu viele Besucher vor der Bühne abgingen, aber eine Sache ist sicher: Gorilla Monsoon waren laut, saucool und haben gerockt! Was will man mehr!? Überpünktlich, noch vor 15 Uhr legte dann auch auf der Zeltbühne die erste Band los, Neaera aus Münster. Man mag es kaum glauben, doch trotz der noch recht unchristlichen Zeit war das Hardbowlzelt knackevoll und bereits mit den ersten Riffs der Münsteraner kam in der Masse ordentlich Bewegung auf. Während man eben vor der Hauptbühne noch glaubte, die Leute sind alle noch irgendwie am pennen, hatte man im Zelt den Eindruck, das Festival wäre bereits bei einem seiner Höhepunkte angekommen, und das schon nach den ersten Minuten nach Showbeginn. Doch die Fans hatten recht, denn was die Münsteraner da vom Stapel ließen, musste einfach gefeiert werden. Die Auftritte von Swallow The Sun auf der Hauptbühne und den Franzosen Zuul FX nahmen wir nur aus der Ferne wahr, da wir zunächst bei relativ genialem Wetter über das Festivalgelände und den endlosen Zeltplatz schlenderten um einige Bekannte aus ihren Zelten zu ziehen und um das eine oder andere Kaltgetränk abzustauben. Während der Shows von One Man Army und den Rostockern Crushing Caspars näherten wir uns jedoch wieder der Bühne, da als nächstes As I Lay Dying auf dem Programm stand. Die Amis rockten wie gewohnt souverän durch ihr Set und brachten die Massen, die sich inzwischen auch vor der Hauptbühne versammelt hatten, schon ganz ordentlich zum austicken und vor allem bei ihren Hits wie „94 Hours“ oder „Forever“ ging im Pit schon mächtig der Punk ab. Nach einem kurzen Abstecher ins Hardbowlzelt, wo sich derzeit die Schweden-Punker Venerea den Wolf zockten, fanden wir uns gegen 18 Uhr wieder vor der Hauptbühne ein. Die ungarische Groovemaschine Ektomorf war an der Reihe und verwandelte die Menschenmenge, die die Ungarn bereits mit euphorischen „Ektomorf“-Sprechchören in Empfang nahm, in relativ kurzer Zeit in einen riesigen springenden Menschenteppich. Doch bereits nach einigen Minuten hieß es, wie noch so oft im Verlauf des Festivals, Prioritäten setzen, denn auf der Zeltbühne waren mal wieder Maroon am Start. Und die Nordhäuser enttäuschten auch dieses mal nicht. Sie zockten ihre fetten Hammernummern präzise wie auf Platte runter und boten dem Publikum eine Metalcore Show, die keine Wünsche offen lies. Für mich einer der besten Metalcore Acts des gesamten Festivals. Respekt! Direkt nach der Maroon Show ging es wieder vor die Hauptbühne. Endlich bot sich die Gelegenheit, die Pseudo-Mexikaner Brujeria einmal in Aktion zu erleben, was sich wohl in Anbetracht der immensen Menschenmenge vor der Bühne außer mir noch ein sehr großer Teil der Festivalbesucher dachte. Die fiesen vermummten ließen dann natürlich auch keines ihrer ihnen in die Wiege gelegten Images aus und rotzten eine genial derbe Hardcore-Metal-Rotz-Rock Show ab, der man einfach bis zum Ende beiwohnen musste, was allerdings zur Folge hatte, dass wir den Auftritt von Smoke Blow auf der Zeltbühne verpassten. Als nächstes stand wieder eine schwere Entscheidung an. Menschenfresser vs. Pflanzenfresser. Entweder mal wieder die Knüppelkannibalen auf der Hauptbühne ankucken oder endlich mal Earth Crisis live erleben. Aber im Endeffekt war die Entscheidung dann doch nicht so schwer und ich für meinen Teil entschied mich definitiv für Earth Crisis. Also nichts gegen die Kannibalen. Ein kurzer Abstecher vor die Hauptbühne bewies, dass Cannibal Corpse nach wie vor eine Hammer Show abliefern können und die alten Herren um „Corpsegrinder“ Fisher aufgrund ihrer Spielfreude und –qualität den größten Respekt verdient haben, doch die Show der Straight Edger fuhr mir dann doch mehr in den Arsch. Die wiedervereinten Herren um Karl Buechner lieferten einfach mal eine megafette Hardcore Show ab, feuerten ihre Songs in bester Soundqualität in das höchst zahlreich erschienene Publikum und legten dabei eine Spielfreude an den Tag, dass es einfach nur Spaß machte, den Jungs zuzuschauen. Man merkte sofort, dass hier eine erfahrene Combo am Werk war, die einfach mal weiß was sie will und vor allem was sie macht! Doch nach der Earth Crisis Show war definitiv wieder die Mainstage an der Reihe, auf der als nächstes einmal wieder Hatebreed allen Anwesenden zeigten, wo der With Full Force Dampfhammer hängt. Ich bin mir nicht sicher, ob den Auftritt der Engländer The Business, die zeitgleich auf der Zeltbühne rockten, überhaupt irgendwer mitverfolgt hat, denn soweit man auch kucken konnte sah man springende und moshende Menschen, die die Amis bis zum abwinken feierten. Direkt im Anschluss an den Hatebreed Auftritt kam ein weiteres Highlight des Abends, bzw. jedenfalls für mich des kompletten Festivals. Nachdem sie im vergangenem Jahr aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten, standen sie nun endlich auf der WFF-Bühne. Die Nu-Metal Wegbereiter Korn. Mit jeder Menge personeller Verstärkung und einer genialen Bühnenoptik lieferten die Amis einfach mal eine megageile Show ab. Sie zockten neben brandneuem Material Hits aus über 10 Jahren Bandgeschichte und gaben einen würdigen Freitag Abend Headliner ab. Im direkten Anschluss an den Korn Auftritt begann auf der Zeltbühne die ach so beliebte Knüppelnacht die in diesem Jahr durch die Black Metal Haudegen Satyricon eröffnet wurde. Die alten Schweden schafften es innerhalb kürzester Zeit die noch allgegenwärtigen kornigen Midtempo-Grooves aus meinem Kopf zu prügeln und beeindruckten mit einer bitterbösen Black-Metal Show. Doch alles zu seiner Zeit, dachte ich mir und zog es vor, meinen Kollegen zu einer wohlverdienten Mittagspause in unserer Wagenburg zu folgen. Leider dehnte sich unser Lunch so lange aus, dass wir die Shows von Naglfar und Kampfar verpassten und erst während des Auftrittes von Rotten Sound wieder ins Knüppelzelt stolperten. Die Jungs rotzten geile, saudreckige Death Rock Nummern gemixt mit fiesen Grind-Attacken in das für diese Uhrzeit immer noch recht gut besuchte Zelt und kamen bei den meisten Besuchern damit auch ziemlich gut an doch für uns war das inzwischen eindeutig zu stressig und wir zogen es vor, einen gelungenen ersten Festivaltag gebührend zu feiern und lieber diversen Feierabendumtrunks als den noch anstehenden Shows von Vomitory und den Ösis Pungent Stench beizuwohnen. Prost!
Samstag, 30. 6. 2007

Das nächste an was ich mich erinnern kann waren gefühlte 49° C und Sägegeräusche. Also hatte ich es wohl irgendwie noch bis in den Wohnwagen geschafft und bin noch vor Micha aufgewacht. Super! Das nächste waren Kopfschmerzen und Frühstück. Dann war es auch schon kurz vor 14 Uhr und Zeit, sich für eine Bühne bzw. für eine Band zu entscheiden, entweder die Dänen Volbeat auf der Mainstage oder die Schweden By Night auf der Zeltbühne. Ok, das Elektro-Metalcore Massaker der Schweden hätte mich zwar schon interessiert, aber ich nahm an diesem Morgen die Hauptbühne. Frische Luft, Sonnenschein und eine ordentliche Portion Heavy Rock?n?Roll von Volbeat. Was braucht man mehr um wach zu werden. Richtig, Bier. Und wir hielten es für eine gute Idee dieses bei Kollegen irgendwo in der vorletzten Ecke des Zeltplatzes abzustauben. Leider verpassten wir dadurch die Shows von Dagoba und The Greetings, waren aber spätestens zur Show von Enter Shikari wieder zur Stelle und konnten somit die hammergeile Show der Engländer geniesen. Ok, die Jungs waren zu diesem Zeitpunkt definitiv besser in Form als wir, was sie durch ihre exzessive Performance bestens unter Beweis stellten. Doch auch ihre Landsleute Benediction, die etwa zeitgleich auf der Mainstage lärmten, ließen mal wieder nichts anbrennen. Nach einer ordentlichen Portion Oldschool Death Metal ging es dann auch gleich wieder ins Zelt, wo derzeit die Holländer Backfire an der Reihe waren und nicht weniger sanft zuschlugen als die Briten. Als nächstes wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, bzw. es bestätigten sich die Gerüchte, dass Static X, auf die wir uns eigentlich alle sehr freuten, nicht spielen werden, woraufhin wir beschlossen vorübergehend unseren Job zu boykottieren, uns einfach mal unter das Volk zu mischen und die Festivalatmosphäre zu genießen. Die nächsten Stunden verbrachten wir nun damit, den Sound von Lamb Of God bzw. Strung Out in den Ohren, nutzlose Gegenstände zu erwerben, das Nahrungsmittelangebot auf dem Festivalgelände zu checken, Bier abzustauben und mit fremden Menschen zu feiern. Sehr, sehr schön so ein Festival! Gegen Ende der Show von Sworn Enemy klinkten wir uns dann jedoch wieder in das Geschehen ein und versammelten uns anschließen vor der Mainstage, wo als nächstes Caliban an der Reihe waren. Die Essener, die wohl inzwischen zurecht als eines der nationalen Metalcore-Aushängeschilder gehandelt werden, legten wie gewohnt alles in Schutt und Asche und die Fans schien selbst das für meinen Geschmack etwas gewagte Outfit der Jungs nicht zu stören. Die Herren traten kollektiv in kunstblutbesudelten Hemdchen auf und sahen aus, als hätten sie kurz vor der Show eine Kuh gerissen, aber egal… Splatter rules und den Fans hat es offensichtlich gefallen. Ich für meinen Teil zog es jedoch vor alsbald die Bühne zu wechseln und mir die Show von Walls Of Jericho reinzuziehen. Die darauffolgende Stunde pendelte ich dann zwischen der Hauptbühne, auf der sich die Wikinger Amon Amarth austobten, dem örtlichen Kaltgetränkefachverkäuferstand und der Show der LA-Hardcore-Dampfhämmer Terror, die auf der Zeltbühne wüteten hin und her. Eine ziemlich skurrile Mischung, aber so kennt man ja dieses Festival. Als nächstes folgte für mich ein weiteres Highlight des Festivals. Man mag es kaum glauben, aber ich durfte anschließend das erste Mal Zeuge einer Sick Of It All Show werden. Die alten Herren überzeugten vom ersten bis zum letzten Song, feuerten einen Hardcore-Klassiker nach dem anderen in den zu diesem Zeitpunkt wieder einmal fast überquellenden Moshpit und wurden sowohl vor als auch auf der Bühne von vielen Kollegen, die sich in ehrfürchtiger Runde im Bühnenhintergrund versammelt hatten gefeiert. Ein Highligt der Show war jedoch zweifelsohne der spontane Gastauftritt von Walls Of Jerico Sängerin Candace. Eine Wahnsinnsshow die gefeiert werden musste, weshalb wir die anschließende Children Of Bodom Show nur aus der Ferne miterleben konnten, da wir uns wieder einmal am Zeltlager einiger äußerst spendierfreudiger Kollegen festgetrunken hatten. Und so nahm der Samstag Abend seinen Lauf, wir waren alle in bester Partystimmung und den besten Soundtrack zu dieser lustigen Situation sollten nun die Berliner Knorkator liefern, die die Ehre hatten, die diesjährige Saturday Night Fever Jugendtanzveranstaltung zu eröffnen. Ein super Plan den wir jedoch leider ohne ca. 1.000.000 anderer Festivalbesucher gemacht hatten, die offensichtlich den gleichen Plan hatten. Das Zelt, in dem die Saturday Night Fever Party inzwischen schon in vollem Gange war, war hoffnungslos überfüllt. Wir kamen nur bis ca. 30 Meter an das Zelt heran und keinen Schritt weiter. Verdammt war das eng. Die Berliner jedoch genossen die Masse und die Party und lieferten die mit Abstand lustigste Show des Festivals ab. Nach der Knorkator Show wurde es jedoch etwas ruhiger im Zelt sowohl von der Menschenmenge als auch von musikalischer Seite her. Als nächstes stand eine Band auf dem Plan, die mit Heavy Metal, verzerrten Stromgitarren und wilden Doublebass-Attacken nicht wirklich viel zu tun hatte. Die nächste Band war die Ska-Legende Neville Stable?s Specials, die eine super geniale Show boten und vielleicht auch gerade wegen der eben erwähnten Umstände für mich eine der herausragendsten Bands und einen der abwechslungsreichsten Momente des Festivals darstellte. Danach wurde es noch einmal so richtig rockig, denn die Holländer Peter Pan Speedrock enterten wieder einmal die WFF-Bühne. Den anschließenden Auftritt von Moonsorrow, der letzten Band des Abends, hat allerdings keiner mehr von uns miterlebt, da wir wieder einmal bereits während der Show der Holländer in massive Getränkeunfälle verwickelt wurden und uns leider zum wiederholtem Male lieber zu feuchtfröhlichen Saufgelagen haben hinreißen lassen, als gewissenhaft unserem Job nachzugehen. Unverantwortlich! Aber immerhin war Samstag Abend… 😉

Sonntag, 01.07.2007
Zuerst die ostdeutschen Kult-Metaller MANOS. Mit Spaßfaktor hoch fünf. Das fängt an mit wilder Kostümierung (Besen, Vogelkäfig auf dem Rücken, Stahlhelm auffer Birne) und hört mit obskuren Songtiteln auf. „Hol’ mir `ne Bockwurst“ ist so einer, hehe. Dazu wird `ne riesige Wurst aus Plastik dem Publikum zum spielen überlassen. Als nächstes müssen „Mauz und Hoppel“ dran glauben. Die werden nämlich vom „Herrn Fuchs“ kaltgemacht. Wer’s nicht kennt, wird’s kaum verstehen, handelt es sich hier doch um beliebte Figuren aus dem DDR-Kinderfernsehen. Tja, ich bin damit aufgewachsen und grinse mir einen ab, hehe. Als auch noch „Drehrumbum“ auftaucht, schalten meine Synapsen gleich zu Pitti, Moppi und Omama, die im Koboldland in der Kaffeekanne wohnt. Hallo zusammen!
Ich marschiere zum Zelt, wo FINAL PRAYER ihren fetten Hardcore aus den Boxen drücken. Sehr wuchtig und wütend und überraschend gut wird agiert. Und politisch sympathisch – gegen Imperialismus, fürs Linkssein, doch gegen Gewalt aus dem schwarzen Block. Mutig!
Jetzt sind die Dänen BARCODE dran. Einfach großartig. Und wieder diese positive Power, die von der Bühne schwappt. Das gibt man doch gerne zurück – und BARCODE danken es mit Spielfreude und einer geilen Show.
UNEARTH, die leider viel zu früh und zu kurz an den Start geschickt wurden (wären auf dem Headliner-Posten der Hardbowl viel besser aufgehoben gewesen.) Es ist der letzte Gig auf der Europa-Tour der Band, davon war aber keine Spur zu sehen. Dennoch geht im Pit vor der Mainstage ordentlich die Post ab, und die fast schon Klassiker-Format innehabenden Übersongs „Zombie Autopilot“, „Endless“ und „Black Hearts Now Reign“ zünden auch zu so früher Stunde ungemein.
Vor SONIC SYNDICATE werde ich aus vielen Mündern gewarnt, wenn ich im Vorfeld nach deren Musik frage. Lediglich die Bassistin wäre einen oder mehrere Blicke wert. Als risikobereiter Entdecker wage ich mich aber dennoch nach vorn und werde wirklich positiv überrascht. Trotz der üblichen Gemeinsamkeiten des schwedischen melodischen (Death) Metals, können vor allem der zweistimmige Gesang und die tollen Melodien begeistern.
CHIMAIRA setzen zum musikalischen Rundumschlag an. Von der Hitze keinesfalls gebremst, wecken die Amis mit knallhart groovenden Riffs (drücken muss es!!) und einer handvoll komplexer Modern-Thrash-Granaten wieder sämtliche Lebensgeister.
Für die danach auf der Zeltbühne spielenden deutschen Melodic Deather FEAR MY THOUGHTS ist „träge“ ein Fremdwort – auf jeden Fall bieten sie eine energiegeladene Show. Bei so viel Spaß auf der Bühne und mitreißenden Songs wird die anfangs etwas dünn besiedelte Hardbowl auch wieder proppevoll. Auch wenn Frontmann Matze lieber mit viel Headbangen einen Beitrag gegen die Erderwärmung leisten möchte, lässt sich das vor der Bühne tollende Publikum auch hier ihre Wall Of Death nicht nehmen.
LOUSY aus Chemnitz waren quasi die Lokalhelden beim Full Force. Der obligatorisch inflationäre Gebrauch des „F-Wortes“ bei den Sängern der Bands war schon das ganze Festival über auffällig. Deshalb machte sich der Frontmann von LOUSY daran, dies ein wenig auf die Schippe zu nehmen und sorgte damit für viel Erheiterung unter dem Planendach. Die kraftvoll bretternden Punk-Hymnen animieren ordentlich zum Mitwippen beziehungsweise zum Mitpogen, wenn man denn will. Alles in allem ein sehr cooler Auftritt.
„Damit ihr nicht immer sagt, ich würde mich jedes Mal auf der Bühne ausziehen“Och nöö!!! Als die Frontaugenweide von DIE KASSIERER schon splitternackt auf die Bühne kam, zog es mich doch zur Mainstage, wo ILL NINO ihren gottesfürchtigen Filzlocken frönten.
Akustikgitarre: Check. Dudelsack: Check. Flöte: Check. Akkordeon: Check. Mandoline: Check. Na dann kann’s für die DROPKICK MURPHYS ja losgehen. Die Kapelle selbst kommt aus Boston und ist dementsprechend „very irish“. Eine große Anzahl von Besuchern kam aus den Löchern gekrochen, um sich die Folkpunk-Kante der MURPHYS zu geben, und die Stimmung war wirklich gut. Am Anfang tauchen noch zwei Gestalten in meiner Nähe auf, die offenbar in Senf und Ketchup gebadet hatten und schlagen eine tiefe Presche von Ekel in die Reihen der Fans. Kurz darauf erscheinen die beiden wieder und schaffen eine recht große Freifläche. Ein paar hygienischere Menschen gesellen sich dazu, und man bespuckt sich anfangs noch fröhlich mit Bier. Später aber verlieren sie ihre Kontaktscheu und es entsteht ein, ich nenne es mal „Folkpit“, zu den Klängen der DROPKICK MURPHYS, inklusive der zweiten Polonaise des Festivals. Ohne Probleme schafft es das Ensemble, die Masse zum Singen und Tanzen zu bewegen, während sie ihre großen Titel „Forever“ und „The Auld Triangle“ anstimmen. So viele lustige Metaller sieht man selten auf einem Haufen.
Um 21:48 ging es dann los! Slayer betrat die Bretter, begleitet vom schaurig schönen „Darkness of Christ“, um dann ohne jeden Übergang direkt volle Möhre mit „Desciple“ auf die Fanmasse einzuprügeln. Und die grölt natürlich aus vollster Kehle die magischen Worte mit! „GOD HATES US ALL!!!“ Höllisch gut das Teil. Danach folgten natürlich die üblichen Thrash-Meilensteine „War ensemble“, „Die by the sword“, „Mandatory Suicide“, usw. sowie die äußerst atmosphärischen Meisterwerke, wie „South of heaven“, „Seasons in the abyss“ oder auch „Dead skin mask“. Diesmal konnten King und Co. mir sogar ein kleines Schmunzeln abjagen, indem sie „Post Mortem“ spielten, dann aber statt der obligatorischen 3 Drumschläge, die üblicherweise „Raining Blood“ einleiten, einfach einen anderen Klassiker folgen ließen. Im Anschluss wurde wie erwartet lauthals nach dem Blutregen verlangt, was auch nach einer kurzen Pause, begleitet von Toms berühmtem diabolischem Grinsen nachgelegt wurde. Das Ende der Vorstellung war abrupt, wie immer bei Slayer, aber wenigstens blieben die vier Akteure noch ein Weilchen auf der Bühne um sich ihren Applaus abzuholen. Alles in allem ein wirklich akzeptabler Gig der Thrash-Opis!

The Last Supper
Wenn man TURISAS zum ersten Mal erblickt, gehen einem sicher viele konfuse Gedanken durch den Kopf: Warum haben diese Menschen im Sommer Felljacken an? Warum müssen sie sich zusätzlich noch mit Blut beschmieren? Warum müssen die solch komische Posen und verzerrte Gesichter machen? Warum ist diese Musik so verspielt, klimperig und erinnert manchmal an Kinderlieder? Und warum zum Teufel tickt das Publikum so aus? Routinierte Wiedergänger antworten darauf mit: Weil es Finnen sind, und die eh einen an der Klatsche haben, und das Publikum Angst hat, wenn es nicht mitmacht, wird es irgendwann mit einem teuflischen Grinsen rücklings erdolcht. Manche sollen aber durchaus Spaß an den eingängigen Tanzmelodien und den Singspielchen zu haben, auch wenn man damit unweigerlich zugibt, kein „pöser Pursche“ zu sein.
PAIN habe ich leider nicht mehr visuell erfassen können, aber man weiß ja durchaus, wie tief Peters Augenringe geworden sind. Um sich zu überzeugen, dass sie nachts um 2 sicher bis zum Kinn gehen, dafür muss man wirklich nicht extra in der Kälte stehen bleiben. Musikalisch kann man jedenfalls mit den neuen Songs vom aktuellen Album durchaus einige neue Akzente setzen, die bekannten älteren Stücke gibt’s gratis dazu. Und dann ist es auch schon vorbei, das 14. With Full Force. Die Fanfaren erklingen, die Bühne wird bereits abmontiert und die letzten Hartgesottenen suchen sich ihren Weg zurück ins eigene Zeltchen.