Summerbreeze-fronter
Summer Breeze 2005
19. Oktober 2005
Summerbreeze-fronter
summerbreeze-2007-flyer

Der Schlammteppich wurde dann leider auch den Anreisenden zum Verhängnis, denn von den anfänglichen 6 Einfahrtsschleusen konnte nur noch eine benutzt werden. Bereits am Mittwoch morgen war die Wiese an einigen Stellen derart weich, dass die ersten Autos stecken blieben. An dieser Stelle wurde im Nachhinein gerne der Organisation der Vorwurf gemacht, dass so etwas wohl zu vermeiden sei. Aber im zweiten Jahr auf einem Gelände ohne jegliche Infrastruktur und vor allem ohne Erfahrung mit der Bodenbeschaffenheit ist das wohl schlicht zu viel verlangt! Der wochenlange Niederschlag in den vorhergehenden Wochen war einfach ein unkalkulierbarer Faktor. Und ob 6 asphaltierte Einfahrtsstraßen eine wünschenswerte Alternative sind, ist eine andere Frage.
Einen massiven Anteil am Stau trugen im Übrigen auch die Besucher selber, denn die Hälfte des Staus bestand tatsächlich aus Leuten, die nach Dinkelsbühl zum Einkaufen gefahren waren. Wegen des strikten Glasverbots mussten natürlich auch diese Fahrzeuge alle wieder durchsucht werden. Die Durchsuchungen ließen aber im Laufe der Zeit wegen des monströsen Staus stark nach. Leider, muss man sagen, denn am Mittwoch Morgen hatte der Fund von mehreren Schußwaffen (!) die Durchsuchungen mehr als deutlich legitimiert.
Da stellt sich mir als langjährigem Festivalbesucher doch wirklich die Frage, wie man auf die Idee kommen kann, auf ein Festival Feuerwaffen mitzubringen! Und fast noch unverständlicher: Wer fährt auf ein Festival und muss dann am gleichen Tag das Gelände erneut zum Einkaufen verlassen? Hätte man sich das nicht vorher überlegen können?
Optional bot sich den Besuchern des Festivals außerdem die Möglichkeit den Supermarkt auf dem Gelände zu nutzen. Dass dieser nicht so günstig ist wie der nächste Aldi sollte wohl jedem klar sein und über die Qualität des Dosenbieres ließ sich enorm gut streiten. Besser als das Festival-Wasseralfinger kann es allerdings eigentlich nur sein und hey, wer sich nicht ausreichend auf ein Festival vorbereiten kann, der muss damit leben! Ab einem bestimmten Pegel ist der Geschmack ja eigentlich ohnehin nebensächlich…

Bleibt das Problem mit dem Schlamm. Aber das haben wir auf bisherigen Summer Breeze Festivals auch schon schlimmer erlebt, einzig der Engpass am Eingang war natürlich eine ziemlich unangenehme Angelegenheit. Der Festivalleitung an dieser Stelle aber einen Vorwurf zu machen ist nicht ganz fair, denn die mangelnden Erfahrungen mit dem neuen Gelände sowie die offensichtlich negative Einstellung der Wettergötter gegenüber Sommerfestivals lassen auch den besten Notfallplan wörtlich den Bach runtergehen.

Nach Ankommen, Aufbauen und erstem Beschnuppern des schlammigen Geländes gibt es natürlich noch mehr zu berichten, als nur über die Anreise und die chaotische Platzeinweisung. 2007 wartet das Summer Breeze Open Air zu Ehren des JubiläuIn vorigen Jahr wurden Volbeat noch als Geheimtipp gehandelt und verpassten beinah ihren Auftritt wegen eines Bus-Defekts, dieses Jahr hatten sie bereits auf dem With-Full-Force-Festival einen denkwürdigen Auftritt hingelegt und waren auch auf dem Summerbreeze in die besseren Slots vorgerückt. Nachdem die meist jüngeren Finntroll-Anhänger das Feld geräumt hatten sammelte sich dann auch schnell ein großes Publikum dass die Dänen um Michael Poulsen, den Elvis der Metal-Szene, frenetisch fröhlich feierte. Mit dem neuen Album Rock the Rebel/Metal the Devil im Gepäck wurden dann auch gleich einige Krache der Scheibe zum Besten gegeben: Rebel Monster, The Gardens Tale, Radio Girl und natürlich Sad Mans Tounge, aber auch die wichtigsten Songs des The Strength, The Sound , The Songs-Albums wie Caroline Leaving und Pool of Booze durften nicht fehlen. Zuguterletzt demonstrierte Mr.Poulsen noch die ultimative Publikumsnähe, indem er sich als Stagediver betätigte. Grandios.
ms nämlich mit einigen besonderen Programmpunkten auf. Linkerhand seht ihr einige Eindrücke eines dieser Specials, dem Wikingerlager vor dem Festivalgelände. Die Idee ein solches Lager einzurichten lag wohl mehr oder weniger auf der Hand, da Amon Amarth dieses Jahr mit ihrer Wikinger-Show unterwegs sind. Die darstellenden Krieger zelteten nun in diesem Fall einfach nicht backstage sondern direkt vor dem Einlass zum Festivalgelände. Große Atmosphäre konnte das Lager nicht versprühen, dafür war es mit knapp einer Hand voll Zelten und dazugehörigen Nordmännern einfach nicht groß genug. Diese Nordmänner, die seit längerer Zeit mit den Schweden durch die Länder zogen, stammen übrigens, wie wir, aus dem Saarland bzw. teilweise Moselfranken. Wie für das Saarland bekannt waren die ersten Verbindungen schnell hergestellt und das Gespräch über gemeinsame Bekannte vorherzusehen. Dadurch durfte ich auch Zeuge des Angebotes werden, bestehend aus Kampftraining mit Holzwaffen, historischen Erzählungen rund um das Lagerleben und einem leckeren Schweinchen am Spieß. Allzu ernüchternd mit anzusehen, wie total Betrunkene und Halbstarke mit mangelndem Respekt oder Hirnschmalz den Darstellern jeglichen Spaß an ihrer Passion raubten. Eine traurige Tendenz, die sich am diesjährigen Summer Breeze noch häufiger zeigen sollte…

Die wohl schwerwiegendste Neuerung am diesjährigen Summer Breeze war allerdings mit Abstand die Vorstellung des Party Zeltes! Dieses war keinesfalls eine weitere Bühne, die das Konzept des Breeze zerstören würde, dass sich nie Bands überschneiden, sondern sie bot einerseits eine Plattform für Newcomer sich vorzustellen und außerdem eine Möglichkeit auch nach dem Headliner auf dem Festivalgelände noch weiter zu feiern ohne dabei den Rest der campenden Gemeinde zu belästigen.

Als sehr überzeugend stellte sich im Vorfeld die Wahl der Newcomerbands heraus, denn das Wahlkonzept war um einiges besser durchdacht als bei vielen anderen Festivals. Üblicherweise findet die Wahl über ein schlichtes Onlineformular statt, dass nur in den seltensten Fällen Mehrfachabstimmungen verhindert. Ein Sieg der stärksten Fanbasis bzw. der besten Werbekampagne ist damit vorprogrammiert. Anders im Falle der Newcomer auf dem Summer Breeze. Zur Abstimmung notwendig war zunächst die Anmeldung in der Community. Auf der Abstimmungsseite stand dann eine ausführliche Erklärung, die leider viele nicht gelesen haben, dass JEDE Band zu bewerten sei, das heißt selbst bei vorgefertigter Meinung musste man sich dennoch durch die 20 Bands klicken und die Zeit für ausführliche Bewertungen nehmen. Zusätzlich wurden dann anschließend die Bewertungen handverlesen, eindeutige Ergebnisse wie volle Punktzahl bei einer Band und sonst nur schlechte Benotungen wurden von vornerein aus der Gesamtbewertung ausgeschlossen.

Dadurch entstand ein bestmöglicher Schnitt durch die Geschmäcker der angemeldeten Fans, der erstaunlicherweise in einem minimalen Abstand zwischen Erst- und Letztplatzierung resultierte. Der einzige Punkt, der zu bemängeln wäre, waren die überzogenen Promotexte, die die Bands auf ihren Seiten vorstellen sollten. 10 Bands, die eindeutig auf der Welle Metalcore mitschwimmen, können nicht alle die Erfindung eines eigenen Stils für sich beanspruchen, wenn sie alle gleich klingen!

Leider konnten wir diese enorme zusätzliche Menge an Bands nicht komplett in unseren Bericht einfließen lassen, da wir mit den Bands auf den beiden Hauptbühnen schon ausreichend beschäftigt waren, was uns für die Newcomer besonders leid tut. Viel Spaß dennoch beim Lesen, diesmal sogar mit den ersten Bands am Mittwoch!

Die erste Band, die ich mir auf dem diesjährigen Summer Breeze ansehe, sind die Schwaben Might Of Lilith. Diese habe ich Anfang des Jahres zum ersten Mal live gesehen und sie haben mir damals sehr gut gefallen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ist Sänger Michel Introini seinerzeit noch durch lockere Sprüche positiv aufgefallen, so wirkt er heute (wie so viele Frontmänner auf dem Festival) richtig gehetzt (?Wir haben keine Zeit für große Ansagen!?). Und auch musikalisch ist die Band heute eher ernüchternd. Trotz gutem Songmaterial wie zum Beispiel Lunatic Sonata will der Funke nicht so recht überspringen. Als Quasi-Lokalmatadoren können sie aber trotzdem eine große Menge Publikum vor die Bühne ziehen, die die Stuttgarter trotz der eher mittelmäßigen Leistung ordentlich abfeiern. Am Ende wird sogar eine Zugabe gefordert, die aber selbstverständlich nicht gespielt werden kann. Ist vielleicht auch besser so. Für mich war der Auftritt jedenfalls eine Enttäuschung.

Stitch sind zwar aus Ravensburg, konnten hier aber fast einen Lokalmatadoren-Effekt erzielen, sie hatten offenbar ne Menge Publikum mitgebracht. Ich war eigentlich nur zur Bühne getapert um mal zu sehen ob ich noch weiss wie man ne Kamera hält (naja, festhalten ging grade noch…), muss aber sagen dass schon wirklich einiges los war. Die Ravensburger konnten sowohl mit ihrem unübersehbaren Spass am Auftritt, mit bemerkenswerter Professionalität und ihrem modernen Voll-vor-den-Kopp Metalcore das Publikum so sehr begeistern, dass sie später zum Sieger des Newcomer Wettbewerbs gewählt wurden und damit am folgenden Tag erneut auftreten und die Painstage eröffnen durften.

Der Name Last One Dying läßt auf eine Gothic Metal Band schließen, doch dem ist mitnichten so. Ganz im Gegenteil: Ziemlich corelastiges Geballer wird uns hier um die Ohren geblasen. Die Band ist sehr agil, bewegt sich unglaublich viel auf der Bühne und bezieht auch die vor der Bühne aufgestellten Boxen in ihren Bewegungsradius mit ein. Songs wie Choke It Down, On Your Trail und My Own Machine machen Stimmung im Publikum, das der Band aus der Hand frißt. Man teilt das Publikum in zwei Hälften und zelebriert die Wall Of Death. Auch Circle Pits gibt es danach einen nach dem anderen, das Publikum ist dabei allerdings alles andere als rücksichtsvoll. Wer im Weg steht, wird zur Seite gepogt und so findet sich so mancher Unbedarfte plötzlich auf dem Boden wieder. Wir flüchten daher in sichere Entfernung und sehen uns die Sache von dort an. Derweil verheddern sich die Musiker auf der Bühne in ihren Kabeln, was von Sänger J.C. Hades mit? Wir spielen Heavy Metal Gummitwist!? kommentiert wird. Diese Band war jetzt musikalisch eher nicht mein Fall, hatte aber eine ganze Menge Publikum vor der Bühne, das auch ordentlich mitging.

Mit Last One Dying hat die letzte Gruppe der Band Contest Finalisten gespielt und nun gibt es erstmal knapp 4 Stunden Cover auf die Ohren, dargeboten von der deutschen Band Justice. Das zweite Cover, ein gar nicht mal so gut vorgetragenes Stück von Judas Priest, ist für uns das Signal zur Rückkehr auf den Campingplatz, wo wir lange warten müssen, bis wieder eine Band spielt, die es lohnt sie sich live anzusehen.

Und diese Band sind die ‚rumänischen‘ Powerwolf, die bereits zum zweiten Mal über das Summer Breeze herfallen, damit sein Publikum sich an Wölfen und Vampiren zu erfreuen kann. Dieses Mal sogar im Dunkeln, so dass die heiter-unheimliche Stimmung, die Powerwolf entfalten, viel besser zum Tragen kommt als im prallen Sonnenlicht. We Take It From The Living, wie immer den hohen Merchandisepreisen gewidmet, läutet den Auftritt der Karpatenwölfe ein. Und während uns Musik- und Textilindustrie wenigstens nur das Geld aus der Tasche ziehen, wollen die Wölfe viel mehr: We Came To Take Your Souls. Da kann einem schon mal angst und bange werden und man schickt ein flehentliches Stoßgebet in den dunklen Himmel, bzw. in diesem Fall ins dunkle Zeltdach. Vorbeter Attila Dorn zelebriert mit dem gar nicht ängstlich wirkenden Publikum Prayer In The Dark, was diesem jedoch wenig nutzt, denn gleich im nächsten Song fällt der Saturday Satan über das trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit zahlreich anwesende ‚jun-ge Gemiese‘ her. Nun gibt es eine erste Verschnaufpause für das Publikum, das gemeinsam mit der Band den (im Zelt leider nicht sichtbaren) Mond anheult. Aaaahhhhuuuuu! Nachdem sich der Sänger davon überzeugt hat, dass das gesamte Publikum von Schlangen überaus angetan ist und gerne von diesen geküßt würde, kommen wir in den Genuß von Kiss Of The Cobra King, einem der besseren Stücke auf dem Debüt Return In Bloodred. Das folgende Stück, wieder eines von der neuen Platte Lupus Dei, widmet Sänger Attila Dorn sinnigerweise dem Roten Kreuz: In Blood We Trust. Dann gibt es wieder ein schnelles Lied, das mit seinem Ohrwurmrefrain so richtig Schwung in die Bude bringt, nämlich Mother Mary Is A Bird Of Prey. Da wird auf der Bühne gepost, was das Zeug hält und vor der Bühne wird gebangt, die Fäuste gereckt und mitgegrölt, was der der Körper hergibt. Mit Mr. Sinister spielt uns die Band wieder ein altes Lied vor, dessen Refrain natürlich von jedem im Zelt mitgesungen wird. Leider geht Mr. Dorn sich jetzt hinter der Bühne umziehen. Leider, weil das bedeutet, dass der Auftritt der lustigen Mannen gleich zu Ende sein wird. Attila ist nun wie immer an dieser Stelle in seinen Ornat gekleidet und läßt das Publikum dem Wolfskreuz huldigen. Mit dem Titelsong der aktuellen Platte Lupus Dei wird der Auftritt der Band zu Ende geführt. Doch das Publikum hat noch nicht genug von den Powerwölfen und hört einfach nicht auf, nach einer Zugabe zu schreien. Endlich hat man Erbarmen mit den armen Seelen und zum endgültigen Abschluß gibt es eine Wahrheit aus den Karpaten: Vampires Don’t Die! Der Auftritt von Powerwolf war mal wieder der pure Genuß, die Band läßt einfach nichts anbrennen und es wird gepost, was das Zeug hält. Was dank Bodenventilatoren auch gar nicht so schwer ist. Und wie immer bleibt auch Tastenmann Falk Maria Schlegel nicht gelangweilt hinter seinem Keyboard stehen sondern sorgt als ‚erste Frrontorrgler von die Welt‘ für Stimmung im Publikum. Einzig Attila Dorn ist nicht völlig zufrieden: ‚Ist scheiße heiß hierrr, muß ich mirr auch kaufen Ventilatorr‘. Aber ob mit oder ohne Ventilator, Powerwolf sind einfach immer sehenswert.

Donnerstag:
Die Ehre, das Festival am Donnerstag auf den großen Bühnen eröffnen zu dürfen, fällt den Gewinnern des Summer Breeze Band Contest zu. Da wir uns mittwochs nicht alle Bands angesehen haben und auch bei der Bekanntgabe des Ergebnisses nicht anwesend waren, sind wir nun gespannt, wer denn nun der Sieger ist. Wie ich gleich sehe, ist es schon mal keine der Bands, die ich gestern angesehen habe. Und da wir etwas zu spät kommen, da die Band bereits 10 Minuten früher als in der Running Order vermerkt angefangen hat und es auch kein Backdrop gibt, stehen wir vor einem Rätsel, bis der Sänger dieses kurz vor Schluß löst: Es sind Stitch aus Ravensburg. Anhand der vielen Stitch-Shirts, die man gestern schon sah, war dies abzusehen. Gefallen tut mir die Musik deshalb aber nicht. Wieder mal so Corezeug, das nun so gar nicht meine Baustelle ist. Beim Publikum ist diese Musik jedoch sehr beliebt und so bildet sich schon bei der ersten Band vor der Bühne zu Songs wie Fuck The Pain ein Circle Pit nach dem anderen. Wir werden sehen, ob man auch in der Zukunft noch etwas von dieser Band hört.
Weit weniger Ehre wurde den finnischen Doom Vertretern von Swallow the Sun zu Teil, denn wie bereits auf dem diesjährigen With-Full-Force hatten sie die Aufgabe die Mainstage zu eröffnen. Klar, dass die Rolle jemand übernehmen muss, diese Rolle allerdings ausgerechnet der momentan wohl mit am vielversprechendsten Doomcombo zuzuweisen ist enttäuschend. Kein Wunder, dass Sänger Miko eher wirkt, als würde er versuchen sich hinter seinem Mikro zu verstecken, als dass seine melancholische Gestik als gefühlte Musik spürbar wird. Dank grauem Himmel erweist sich das Wetter noch als gnädig, Sonnenschein hätte dem Auftritt wohl den Spott mancher Gegner des Genres zugezogen. So aber bewies das finnische Sextett, dass sie zur Zeit wohl zu der Speerspitze des Doom-Death gehören, denn dort wo ihre Vorreiter Amorphis, Anathema und ähnlich den größten Teil ihres Drucks eingebüßt haben rollen Swallow the Sun nachwievor wie eine schwarze Gewitterfront über das Publikum. Viel passt in 30 Minuten Spielzeit zwar leider nicht, aber mit dem Vorstellen ihres neuen Songs ‚Out Of This Gloomy Light‘ und vor allem dem abschließenden ‚Swallow‘ vom Debütalbum konnten die traurigen Herren definitiv überzeugen und nutzen die Gelegenheit auch, um auf die diesjährige Tour mit Amorphis und Insomnium hinzuweisen.
Von den Freiburgern von Fear my Thoughts wurde dann der schleppende Doom aus den müden Gliedern der ersten Besucher geprügelt, deren Zahl erstaunlich hoch war, das Schlammloch vor der Pain Stage erfreute sich einer überraschend starken Frequentierung. Entgegen den Stimmen, die über eine weitere Metalcoreband jammerten legten die Jungs sehr rockig los und verliehen dem einheitlichen Sound immer wieder mit melodischen Passagen sowie sympathischen Songansagen einen gewissen Wiedererkennungswert und vor allem war der Auftritt so für Neulinge alles andere als langweilig! Sänger Mathias, der hier eines seiner letzten Konzerte absolvierte, schien seinen nahenden Abschied gebührend feiern zu wollen und machte ordentlich Stimmung, auch wenn seine Kommentare irgendwie einen leicht religiösen Touch hatten. Einmal stellte er fest, dass Gott wohl keinen Heavy Metal möge und an anderer Stelle wünschte er sich Moses zu sein, um die Wolken teilen zu können. Weniger christlich aber dafür umso spaßiger auf jeden Fall seine Idee anstelle einer Wall of Death eine kleine Wall of Mud zu veranstalten, der einige Fans dann auch mit Freude nachkamen.
Nach diesem Auftritt dürfte die Müdigkeit aus den meisten Gliedern ausgetrieben worden sein und auch die Werbung für das neue Werk Vulcanus ist sicherlich mancherorts auf fruchtbaren Boden gefallen!
Die Amerikaner von Immolation kommen zwar aus New York, klingen aber fast als wären sie aus Florida. Klassischer bis technischer Old-School-Death Metal einer ebenso klassischen Formation die nun schon seit fast 20 Jahren im Geschäft ist. Im Publikum herrschte, bis auf einige hartgesottene Death-Metal-Freaks, immernoch relative Ruhe, aber je mehr das Gelände durch die durchbrechende Sonne getrocknet wurde, desto mehr schien die Musik das Publikum in Bewegung bringen zu können.

Von wegen Florida… Der Sänger hätte von der Haarlänge her auch gut bei Obituary singen können, nur die Farbe stimmt nicht. Immolation boten auf jeden Fall die perfekte Option um was zu futtern zu gehen, Frühstücks-Cr?pe juchuuu!
Nachdem Anfang des Jahres Sänger Christopher Schmid die Band verlassen hatte, ist schon die Frage aufgekommen ob Lacrimas Profundere überhaupt auf dem Breeze spielen würden. Inzwischen ist die vakante Position des Frontmannes durch Peter Kafka (ex Fiddlers Green, Beloved Enemy, Big Boy) besetzt worden, der seinen Job stimmlich gut macht, allerdings ziemlich antriebslos und unmotiviert aussah, auch wenn es für für die Düsterrocker irgendwie zum Programm gehört deprimiert auszusehen. Geboten wurden denn dann überwiegend aktuellere Stücke der letzten beiden Platten. Und wer sich immernoch wundert warum man Lacrimas Profundere immer wieder mit HIM vergleicht, der sollte sie sich mal ansehen. Naja, den Mädels hats gefallen, und wenn die Stofftiere nicht für die Reiter gebraucht worden wären, dann wären sie bestimmt jetzt schon geflogen.
 Die Niederländer von After Forever räumten als nächstes entgültig mit dem Gerücht auf, aktuelle Metalbands mit weiblichem Gesang klängen alle nach Nightwish. Die Band hat ihren absolut eigenen Sound, das Fehlen des Gitarristen/Sängers Sander Gommans wurde, zumindest am Gesang, durch den Ex-Orphanage Shouter George Oosthoek gut ausgeglichen. Die Musik ist extrem druckvoll und der klare Sopran von Frontfrau Floor Jansen ist ebenso angenehm anzuhören wie die gute Frau anzusehen ist, insbesondere wenn ihre Haare im Wind fliegen (vermutlich waren die Ventilatoren von Powerwolf vom Vortag ausgeliehen). Dementsprechend begeistert war das Publikum, vermutlich war der ein- oder andere anwesend, der die Band eigentlich auf der Tour mit Finntroll und den Reitern im Frühjahr sehen wollte, die ja dann leider geplatzt ist.

Zum Abschluß gabs dann noch ein besonderes Schmankerl: für den Song Who am I vom aktuellen Album After Forever kam zur gesanglichen Unterstüzung noch Doro auf die Bühne, die später noch selbst mit ihrer Band auftreten sollte.

Nach After Forever auf der Main Stage gibt es direkt im Anschluß auf der Pain Stage wieder eine Band mit Frontfrau zu sehen. Krypteria haben sich sehr gemausert seit ich sie das letzte Mal live erlebt habe und so bekommt man auch hier wirklich Qualität zu sehen. Sängerin Ji-In ist dabei nicht nur stimmgewaltig, sondern sieht auch noch gut aus. Und mit ihrem Aussehen hat sie wohl so manchen Mann vor die Bühne gelockt, denn jedes Mal, wenn sie sich lasziv an einem ihrer Musikerkollegen räkelt, geht ein Raunen durch die Menge. Ji-In ist sich ihres Sexappeals sehr bewußt, nutzt dies auch gezielt aus und bewegt sich geschmeidig wie eine Katze über die Bühne. In Kombination mit dem Oberteil, das sie trägt und das tiefe Einblicke gewährt, lenkt sie jedoch fast schon zu sehr von der Musik ab. Zu Scream entledigt sie sich dann auch des Ledermantels, den sie zu Beginn des Sets getragen hat und wieder geht ein Raunen durch die Menge. Danach gibt es aber noch eine ganze Menge guter Songs zu hören. Dream Yourself Far Away macht den Anfang und auch All Systems Go wird gekonnt vorgetragen. Die Band agiert sehr professionell, läßt aber jederzeit das Publikum spüren, wie viel Spaß ihr der Auftritt macht. Und während sich Ji-In grazil zur Musik bewegt, jongliert im Hintergrund Drummer S.C. Kuschnerus während dem Spielen mit seinen Sticks als würde er bloß Aufwärmübungen machen. Als einer der letzten Tracks gibt es dann das formidable Somebody Save Me, zu dem man sich auf der Homepage der Band auch das entsprechende Video ansehen kann. Insgesamt ein guter, professioneller Auftritt; allerdings sollte Ji-In aufpassen, daß sie es nicht mit den lasziven Hüftschwüngen übertreibt und auf einmal nicht mehr sexy, sondern nuttig wirkt.

Die nächste Band muß man nicht wirklich vorstellen. Jeder deutsche Fan metallischer Klänge sollte von Rage zumindest einmal gehört haben. Die Deutschen treten zum wiederholten Male auf dem Summer Breeze auf und starten mit einem Titel, der bei ihrem letzten Gastspiel hier gerade erst erschienen war, nämlich Great Old Ones, einen typischen Rage-Song. Man bleibt zunächst einmal bei den neueren Sachen, hat hier aber die Perlen herausgepickt, die da wären Paint The Devil On The Wall oder Soul Survivor. Auch Down von der Unity hat durchaus das Zeug zum Klassiker, aber ob er das wird, werden wir erst in ein paar Jahren wissen. Das folgende No Regrets vom aktuellen Album Speak Of The Dead ist da schon etwas sperriger, aber jetzt ist auch erstmal Schluß mit den neuen Songs und wir kommen zu den angekündigten Oldies, endlich. Ãœber 10 Jahre gehen wir nun in der Bandgeschichte zurück, um gemeinsam mit der Band aus vollem Hals Black In Mind mitzusingen. Dann gibt es ein Lied, das nächstes Jahr 20jähriges Jubiläum feiern kann: Don’t Fear The Winter. Auch hier wird wieder bis zu den Türmen lautstark mitgesungen und beim Refrain werden eifrig Fäuste in die Luft gereckt. Refuge hat dann auch wieder etwas mehr als 10 Jahre auf dem Buckel, kommt aber trotzdem nicht so gut an beim Summer Breeze Publikum. Dafür aber das nächste Stück: Higher Than The Sky kann wohl jeder der Anwesenden mitsingen und das wird auch fleißig gemacht. Dieses Stück ist wirklich der Höhepunkt wohl jeder Show von Rage. Den Abschluß macht dann aber wieder ein neuerer Song, der mit dem bekanntesten Metalriff Deutschlands: Straight To Hell. Der Auftritt der Band geht meiner Meinung nach viel zu schnell zu Ende. Sänger Peavy und Gitarrist Victor Smolski sind heute sichtlich gut drauf und posen um die Wette, auch wenn sie auf der riesigen Bühne immer etwas verloren wirken. Neuzugang Andre Hilgers macht ebenfalls einen guten Job, ist hinter seiner Schießbude aber leider kaum zu sehen. Das einzige, was mir völlig unverständlich ist, ist der frühe Platz im Billing. Das haben Rage wirklich nicht verdient.

Die Genredurchmischung auf dem Summer Breeze herrscht! Und so sollte nach Gitarrengedudel und Frauen auf der Bühne der Neandertaler im Mann wieder die Bühne erobern in Form der ultrabrutalen Death Metal Formation The Black Dahlia Murder aus Detroit. Sänger Trevor sah mit deutlich längeren Haaren als bisher und ohne seine berühmte Brille deutlich weniger nerdig aus als bisher. Der Eindruck in der Damenwelt dürfte allerdings dennoch nicht besser geworden sein, was spätestens nach dem er sein T-Shirt abgelegt hatte klar wurde. Dafür stellt er in Sachen Bewegungsfreudigkeit wohl die größte Konkurrenz für den Genrekollegen Barney von Napalm Death da, welcher ebenfalls kaum eine Sekunde still auf der Bühne verweilen kann. Problematisch wurde seine Rolle als Frontmann für ihn allerdings deutlich, als es für einen Moment technische Probleme auf der Painstage gab und er sich mit dem Publikum unterhalten musste. Vom brutalen Gekreische und Geschrei blieben nur noch ein paar schüchterne Sätze. Mögt ihr Bier? Wir mögen Bier. Wer hätte das gedacht? Für seine Verhältnisse hab er allerdings so wenig ‚fuck‘ von sich wie selten zuvor! Nach Beheben der technischen Probleme ging es ohne Zögern direkt wieder brutal weiter mit Trevor wieder voll in seinem Element. Für die zahlreich erschienenen Fans auf jeden Fall eine überzeugende Vorstellung des neuen Albums Nocturnal!
Und wieder eine Band mit Frontfrau, oder besser gesagt, eine Frau mit Backing Band. Doro, die kleine Grand Dame des deutschen Heavy Metal gibt ihr Stelldichein auf dem diesjährigen Summer Breeze. Wer sich am Nachmittag After Forever angesehen hat, durfte die kleine Blonde schon einmal bewundern, für alle anderen gibt es jetzt das volle Programm. Darin sind sowohl Klassiker wie I Rule The Ruins vertreten und auch neuere Songs wie You’re My Family vom aktuellen Album Warrior Soul. Burning The Witches wird von Doro ganz besonders angekündigt, da dies der erste Song ist, der seinerzeit für Warlock geschrieben wurde. Dafür gibt es mit Above Th Ashes kurz darauf einen ganz neuen Song vom aktuellen Album Warrior Soul. Und weil es sich so viele Fans gewünscht haben, gibt es dann auch noch den Schmachtfetzen Für Immer. Um die Zuschauer wieder aufzuwecken, wird ihm dann Feuer unterm Hintern gemacht. Fight und Metal Racer bringen Bewegung ins Publikum. Anschließend stellt Doro dem Summer Breeze seine Band vor, deren prominentestes Mitglied Gitarrist Chris Caffery darstellen dürfte, der neuerdings mit an Bord ist und hier auch den meisten Applaus bekommt. Mit dem Judas Priest-Cover Breaking The Law geht es weiter und Doro bittet die Fans, den Part von Udo Dirkschneider zu übernehmen, da das Cover als Duett aufgenommen wurde. Zumindest in den mittleren bis hinteren Reihen wird dieser Wunsch jedoch nur sehr halbherzig erfüllt. Aber egal, mit All We Are gibt es zum Abschluß den wohl größten Hit von Doro, bei dem dann wieder wirklich fast alle mitsingen. Doch ohne Zugabe läßt man eine Frau Pesch nicht ziehen und so gibt es East Meets West noch hinterher. Ein guter Auftritt der Band, die eine beachtliche Menschenmenge vor die Bühne locken konnte, war sie doch eine der wenigen Vertreter des traditionellen Metals auf dem diesjährigen Summer Breeze.
Nach einer kurzen ruhigeren Unterbrechung durch die deutsche Königin des Heavy Metal betrat ein anderes Urgestein die Painstage um den Boden, der sich gerade von the black dahlia murder erholt hatte, wieder durchzupflügen! Fast seit 20 Jahren sind DIE Vertreter und Mitbegründer von Deathgrind und Brutal Death im Geschäft, wenn auch mit eher wenigen Releases, und halten ihren Status auch mit ein paar mehr Jahren auf dem Buckel: Suffocation aus New York kamen, spielten und zerstörten die Nackenmuskulatur zahlloser Summer Breeze-Besucher. Unterbrochen von den dezent morbiden Ansagen des Sängers Frank Mullen, in denen er von seinem Lieblingshobby, dem Mord, erzählte, prügelten die Amis eine gute Dreiviertelstunde auf die Trommelfelle ein und ließen keinen Zweifel an ihrem anhaltenden Status in Sachen Brutal Death. Für die einen war dieser Auftritt die Möglichkeit für eine Pause und zum Kräfte schöpfen für die folgenden Headliner, für andere aber waren Suffocation der Grund sämtliche Kräfte für den Donnerstag auf einmal freizusetzen. Die perfekte Untermalung für eine Einlage in Sachen Leistungssport!

Auf die Band, die als nächstes die Bühne betritt, musste ich lange warten. 6 Jahre ist es her, dass ich Nevermore zum letzen Mal live gesehen habe. In der Zwischenzeit habe ich kaum gutes über die Auftritte der Band gehört und auch Bekannte, die die Band vor wenigen Tagen auf dem Sziget Festival gesehen haben und sie sehr langweilig fanden machen mir nicht gerade Mut. Dementsprechend gespannt bin ich auf die heutige Performance. Mit Medicated Nation von der aktuellen Platte This Godless Endeavor beginnen die Amerikaner ihren Auftritt, bevor es mit I, Voyager einen Song von der letzten, ihres schlechten Sounds wegen umstrittenen Scheibe Enemies Of Reality gibt. Zunächst einmal wird man hier ziemlich enttäuscht, denn Warrel Dane, der sich den ganzen Auftritt über unter einer Baseballmütze versteckt, singt nicht annähernd so gut wie auf Platte. Und Who Decides ist da auch nur ein schwacher Trost. Aber immerhin wurde der Sound, der zu Beginn doch arg baßlastig war, ab dem zweiten Song wesentlich besser und ab Born kann man dann auch den Gesang endlich genießen, denn Warrel Dane bessert sich im Laufe des Sets erheblich. Doch obwohl das Publikum ganz gut mitgeht, ist das dem Sänger offenbar zu wenig Bewegung vor der Bühne und er fordert die Zuschauer auf, doch mehr Stagediving zu betreiben. My Acid Words ist ebenfalls von der neuen Platte und Final Product macht dann den Dreier von der Platte komplett. ?I want to see more bodies!!? fordert er nochmals das Publikum zum Stagediven auf, bevor es mit Deconstruction einen etwas älteren Song von der Dreaming Neon Black gibt. Anschließend bekommen wir wieder einen Song der neuen Platte zu hören, nämlich den Titelsong This Godless Endevor. Dann ist der Auftritt von Nevermore aber leider schon zu Ende und zum Abschluß spielt die Band einen Song, der nur sehr selten live gespielt wird: No More Will von der Dreaming Neon Black. Nach diesem Auftritt kann ich die Aussagen meiner Mitmenschen absolut nicht bestätigen. Es war vielleicht nicht das Megaereignis, von dem man noch seinen Enkeln erzählt, aber es war schön, die Band nüchtern auf der Bühne mit einer entsprechend guten Leistung zu sehen. Daß der Schwerpunkt des Auftritts auf dem noch aktuellen, wenn auch nicht mehr ganz taufrischen Album This Godless Endeavor lag, stört mich nicht im Geringsten, ganz im Gegenteil, denn ich halte dieses Album nach wie vor für eine der besten Scheiben des Jahres 2005.

Letztes Jahr hatten die Spielleute von Corvus Corax auf dem Summer Breeze aufgespielt und wurden mit zu weiten Teilen äußerst gespaltenen Gefühlen aufgenommen, denn Dudelsackgedudel und Jahrmarktsschreierei sind der meisten Metalheadz erklärter Feind. Etwas weniger angespannt war die Stimmung gegenüber dem Seitenprojekt der Spielleute Tanzwut, denn in diesem finden auch vermehrt elektrische Gitarren und Elektronik ihren Platz während die mittelalterlichen Instrumente zum Beiwerk reduziert werden. Mit einer satten Verspätung eröffnete Keyboarder und Percussiongehilfe Hatz das Konzert mit einer Fuge von Johan Sebastian Bach auf einer optisch äußerst ansprechenden Orgel. Die visuelle Komponente nahm dürfte bei Tanzwut ohnehin einen starken Anteil einnehmen, denn sowas hat man nun wirklich nicht oft gesehen. Die wilde Mischung aus mittelalterlichen und militärischen Elementen sowie solchen aus der Gothic- und der Travestieszene kann ihresgleichen wohl lange suchen. Die Antwort auf die Frage von Sänger Teufel ‚Wollt ihr Spaß?‘, die den gleichnamigen Song vom gleichnamigen Album einleitet, fällt eindeutig aus, das Publikum verfällt der Tanzwut. Sämtlichen sturen Old School Metalern zum Trotz machen Tanzwut enorm Stimmung und der Platz vor der Painstage platzt aus allen Nähten, was sicherlich nicht nur den nachfolgenden Headlinern zu verdanken ist.

Besonders im Gedächtnis blieb mir ein Song, dessen Name mir leider entging, mir aber als Homage an The prodigy nicht deutlicher hätte erscheinen können. Vor allem nicht, nach dem Teufel sich bei einem Blick auf die Bühne wirklich exakt der Bewegung des Sängers Keith Flint im Video von Firestarter bediente. Eine Coverversion des Ärztesongs ‚Bitte, bitte‘ gab es außerdem.

Als Headliner am Donnerstag hatten Amon Amarth eine ganz besondere Show vorbereitet. Das zeichnete sich schon nach dem Gig von Nevermore ab, als mit einem riesigen Vorhang der Blick auf die Mainstage verhüllt wurde. Mit einem Knall und einem fallenden Vorhang begann dann der Gig der Schweden mit Valhal awaits me und der Blick wurde auf ein riesiges Wikingerschiff freigegeben, das mit Segel und Drachenkopf Richtung Publikum segelte. Auf beiden Seiten neben dem Schiff waren Podeste aufgebaut, umgeben von Palisaden. Musikalisch präsentierten die Schweden zunächst einige Kracher aus dem aktuellen Album (Runes come to my Memory, Cry of the Black Birds, Asator, With Oden on our Side). Äusserst unerwartet nüchtern und mit Spaß bei der Sache (wir erinnern uns immernoch mit Schaudern an ihren Auftritt von 2 Jahren) war die Performance wirklich klasse. Durch die optische Untermalung der Songs durch einige der Jomswikinger, die auf der Bühne Position bezogen und sich mit Schwertern schlugen, gigantischen Pyros mit hohen Flammensäulen und einer super Choreographie insgesamt, konnte der Gig das Publikum klar begeistern. Mit diesem Auftritt haben die Schweden definitiv gezeigt was ein Headliner alles bieten muss, und Maßstäbe gesetzt. Zum Abschluss gab es dann noch einige Klassiker wie The Fate of Norns, Pursuit of Vikings, Victorious March und das unvermeidbare Death in Fire bei denen der Drachenkopf der Galionsfigur Feuer gespuckt hat. Yay !!

Grell und dunkel sollte dann der Donnerstag auf dem Festivalgelände enden mit einer Band, die nicht nur mal wieder die Szene auf Grund ihres introvertierten Status spaltet, sondern auch die treuesten Fans immer wieder vor offene Fragen stellt: Dornenreich hatten sich tatsächlich zu einer Liveperformance hinreißen lassen! Groß war die Angst davor, dass das neueste Album Hexenwind mit seinem ungewohnt seichten, aber atmosphärischen Sound das Set dominieren würde. Aber weit gefehlt, die Auswahl war perfekt. Wie manch ein Fan es sich vorher gewünscht hatte, frei nach dem Motto ‚Jungs, spielt doch einfach die ‚Her von welken Nächten‘ von vorne bis hinten und gut ist!‘ tat die Band genau das. Ganz ohne Ãœberraschungen ging es natürlich nicht, denn auf einem anderen Blatt stand die Frage nach der Livebesetzung der übrigen Instrumente um den eigentlichen Bandkern Eviga und Inve. Dass dieser durch einen Violinisten und einen Opernsänger ergänzt wurde passte perfekt, wenn der Sound auch leider den ersten Teil des Auftritts über stark zu wünschen übrig ließ. Erst mit der Zeit konnte sich die erwartete Atmosphäre um die düsteren Klanglandschaften von ‚Trauerbrandung‘, ‚Angst vor Einsamkeit‘ und ‚Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz‘ einstellen. Mit Dornenreich wurde die Gier der Black Metaller zwar nicht wirklich befriedigt, aber einen absoluten Ausnahmevertreter der Zunft durften die Kenner dennoch genießen, bevor sie vom Festivalgelände vertrieben wurden.

Freitag:

Als ob Freitag morgen 11 Uhr nicht schon früh genug gewesen wäre, konnten Karkadan es offenbar gar nicht erwarten und haben eine satte Viertelstunde zu früh angefangen. Zum Glück hatte ich die Frühstücks-Grillwürstchen rechtzeitig aufgelegt, mit dem Guten-Morgen-Bier schon runtergespült undwar rechtzeitig an der Mainstage aufgeschlagen, denn den Auftritt der deutschen Black-Heavy-Metaller wollte ich wirklich nicht verpassen. Los ging es dann mit Frenetic Visions, gefolgt von einem neuen Song mit dem Titel Ignorance & Despair, ein ziemlich progressives Stück mit feiner Melodieführung und Aggressivität satt. Lang und Klasse! Danach noch die etwas bekannteren Stücke Passing Away und Racing the Clock. Zu Beginn des Sets war noch wirklich wenig los vor der Bühne (klar, bei der Uhrzeit!), bis zum Ende füllte sich das Gelände aber dann doch merklich und mit zunehmendem Publikumsandrang schien der Auftritt auch der band immer mehr Spass zu bereiten. Nach vier Songs war dann die knapp bemessene halbe Stunde für den Gig auch schon rum. Wer diesen Auftritt verpasst hat, hat wirklich was verpasst, da hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Ich hoffewirklich die Band um Frontmann Robby Beyer demnächst mal öfters auf Festivals oder Konzerten zu sehen.

Feine Melodien sind sicher nicht die grosse Stärke von Dagoba, bei den Franzosen ging es – zu immernoch recht früher Stunde – schon recht brachial zu. Moderner extremer Metal mit sägenden Gitarren und massivem Double-Bass-Gewitter. Offenbar konnte damit das Publikum ganz gut aufwecken, denn es ging nun immer wilder zu, bis hin zu einem Circle-Pit zu früher Stunde. Respekt!

Gegen High Noon, also kurz nach 1200, konnte man einen wahren Höhepunkt des Summer Breeze erleben, obschon das Publikum leider nicht so zahlreich war, wie man gehofft hätte. Die wahren Fans jedoch waren früh genug vor Ort, um ihren Geheimtip ordentlich zu feiern: die Eidgenossen von Eluveitie waren achtköpfig auf die Mainstage geklettert und belehrten jeden eines Besseren, der von ihren mittelalterlichen Instrumenten auf die bekannte Version des deutschen Mittelaltermetals schloß, die zum Beispiel In Extremo am Abend vertreten sollten. Eluveitie überraschen dagegen mit melodischem Death Metal, der durch die ungewöhnlichen Instrumente in Sachen Druck und Eingängigkeit eher verstärkt denn gebremst wird! Und so stießen die bereits bekannten Hymnen ‚Uis eluveitie‘ und vor allem das mitreißende ‚Your gaulish war‘ auf erwartungsvolle Ohren und Nacken, das karge Publikum nutzte den Platz vor der Bühne zum Tanzen und ausführlichen Haare schütteln. Sänger Chrigel hatte das Publikum spürbar in der Hand und wußte es mit geschickten Sprüchen sogar noch mehr Stimmung aus den müden Anwesenden heraus zu kitzeln, die Beleidigung, das holländische Publikum sei lauter wollte nun wirklich niemand auf sich sitzen lassen. Noch mehr Stimmung als im Publikum schien sogar noch auf der Bühne vorhanden zu sein, die Zwillinge Sevan und Rafi Kirder, beide mit finsterstem Vollbart und langen Locken fast nicht zu unterscheiden, waren schier nicht zu bremsen und ließen sich auch von ihren Instrumenten nicht von ihrem Bewegungsdrang abhalten, was der Musik keinerlei Einbußen verschaffte. Nebst den bekannten Songs des Debütalbums Spirit gab es mit ‚Slania‘ außerdem noch einen Vorgeschmack auf die beiden neuen Alben, an denen die Schweizer derzeit arbeiten und die noch gegen Ende des Jahres erscheinen sollen. Der weibliche Gesangspart bedarf allerdings offenbar, zumindest live, noch deutlich an Training.

Einen der wenigen wirklich reinen Vertreter des Black Metal gab es danach auf der Pain Stage zu bestaunen, frisch importiert aus, wie sollte es sein, Norwegen. Koldbrann gehören wohl nicht eben zur Frontriege des Black Metal, bieten aber immer wieder einen soliden Auftritt, was, im Gegensatz zu vielen Genrekollegen, keine Zweifel an ihrer Herkunft lässt. Koldbrann gehören zu den Bands, bei denen Vorwürfe wie Szeneverunreinigung, Kommerz oder Inkonsequenz absolut nicht aufkommen können. Auf der anderen Seite bedeutet das üblicherweise aber auch einen Mangel an Innovation oder musikalischer Ãœberzeugungskraft. Nichtsdestotrotz überzeugen Koldbrann mit ihrem rauhen, klirrenden Sound und liefern ein ordentliches Set, dass die wahren Schwarzheimer zu einem zufriedenen Verschränken der Arme und Anlehnen an die nächste Anlehnmöglichkeit anregt sowie zu dem ein oder anderen anerkennenden Nicken hier und dort. Andererseits bieten Koldbrann auch keinen Angriffspunkt, sich über sie lustig zu machen, denn mit verschmiertem Corpsepaint im Stile von Gorgoroth und schlichten, runtergekommenen Klamotten im Militärstil, gespickt mit wenigen Nieten und Ketten, bieten sie ein passendes Bild und runden damit einen souveränen Auftritt ab, der Kritikern allerhöchstens das Urteil der Monotonie überlasst, welchem ich mich zum Teil sogar anschließen muss. Aber wie beim Black Metal so oft wiegt ein souveräner Auftritt, wenn auch ein wenig monoton, mehr als das, was viele der ‚größeren‘ Bands inzwischen tun, nämlich sich auf der Bühne zum Affen zu machen und sich die Verachtung der Szene zuzuziehen (*hustsatyriconhust*).

Entschuldigung an alle überzeugten Fans, aber mit den folgenden Illdisposed betrat nun eine der wenigen Bands die Bühne, mit denen von uns wirklich keiner etwas anfangen konnte. Und trotz aller Toleranz und der Tatsache, dass ich dieser Band nun die zweite Chance gebe, mich live zu überzeugen, haben sie eher das Gegenteil erreicht. Illdisposed tragen den Ruf eine der innovativeren Bands des Death Metal Sektors zu sein, teilweise wegen der erfolgreichen Kombination von geglückten, melodischen Experimenten und ordentlichem Druck, teils wegen des Einsatzes von Samples. Erste Enttäuschungen hatte die Band bereits zuvor verursacht, da der Gesang zu einem großen Teil vom Band kam. Das war auf dem Summer Breeze nicht der Fall, wäre aber vielleicht eine angenehmere Variante gewesen, denn der dezent extrovertierte Sänger Bo Summer, einziges verbliebenes Gründungsmitglied der Band, traf mit seinen äußerst suspekten sowie unverständlichen Aussagen nicht jedermanns Geschmack. Ein Plektrum als Fangeschenk durch Berührung des Gleichen mit seinen Genitalien aufzuwerten trägt meiner Meinung nicht wirklich zur Überzeugungskraft einer Band bei. Mit dieser und ähnlichen Aktionen sowie endlosem absolut unnötigem sowie unverständlichen Geschwafel hat Bo zumindest mir das Interesse an Illdisposed mal wieder gründlich verdorben, wie ich hörte auch einigen Fans, die allerdings bisher nur die musikalische Seite der Band kannten.

Nun, dass der Gig von Disillusion genauso zwiespältig beurteilt würde wie ihr letztes Album war ja wohl klar. Bei der Band hat sich wirklich viel getan seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte: Vurtox hat keine Haare mehr, ein Wechsel an den Holzkesseln, die jetzt von Alex ‚Sash‘ Tscholakov gerührt werden, und endlich auch eine feste Besetzung der Tieftöner-Position, die jetzt von Alla Fedynitch (Eyes of Eden, Enemy of the Sun, Pain) ausgefüllt wird, und eben dieses aktuelle Album Gloria, mit dem ich bislang nicht wirklich viel anfangen kann. Ein Element das ich an Gloria besonders wenig mag ist die verzerrte und effektbeladene Stimme. So war es dann meiner Meinung nach ein grosses Glück, dass Vurtox‘ zweites Mikro gleich zu Beginn des Gigs ausfiel und er auf die Effekte verzichten musste. Trotz kleiner Ausrutscher und ein wenig Schwierigkeiten beim Gesang haben Disillusion ihr ziemlich komplexes Material besser vermittelt als ich erwartet hatte, und erstaunlich viel Stimmung im Publikum erzeugt, auch mit dem neuen Material. Selbst der Song Don’t Go Any Further, den ich mir von der Platte wirklich nicht anhören kann, gefiel mir erstaunlich gut. Auch hier machte das Fehlen der Effekte im Gesang viel aus. Von meiner Lieblingplatte BTTOS kamen dann wie zu erwarten nur wenige Songs. Immerhin gabs … and the Mirror Cracked und Alone I Stand in Fires zu hören, etwas schräg, aber die Songs überzeugen einfach. Hätten sie noch Expired gespielt, dann wär ich zufrieden gewesen, aber so …… *grummel*
Meiner Meinung nach haben Disillusion ihrem Namen wirklich alle Ehre gemacht, ich war noch selten so desillusioniert nach einem Auftritt, den ich nicht nur erwartet, sondern auf den ich mich auch gefreut habe. Selbst wenn wenn ich nur die Songs der Back to times of splendor beurteilen sollte bleibt mir nur ein sehr enttäuschtes Urteil, denn von musikalischen Fähigkeiten war da nicht viel zu erkennen, von dem epischen Gefühl, dass das Album in einer ordentlichen Anlage zu vermitteln mag, mal ganz zu schweigen!

Weiter gleich wieder mit einem Stilwechsel vom feinsten, vom dänischen Death Metal hin zu einem der übergebliebenen Vertreter der neuen deutschen Härte, genauer gesagt Eisbrecher. Angeführt vom glatzköpfigen Sänger Alexx Wesselsky, der gemeinsam mit seinem Kollegen Noel Pix der aufgelösten Band Megaherz entspringt, musste das deutsche Sextett beweisen, dass sie nicht ein weiterer Klon der Vorreiter Rammstein sind. In 35 Minuten Spielzeit gelang dies nicht nur auf musikalischer Ebene, Alexx gelang es sogar dazwischen genug Kommentare unterzubringen, die ihm beim Publikum wohl einen Platz irgendwo zwischen Sympathie und dem Eindruck geistiger Debilität verschaffte. Manche Sprüche kamen wirklich lustig rüber, andere wiederum waren mehr als verwirrend. Das lag vielleicht aber auch daran, dass der Sänger tatsächlich dachte, er würde erst am Tag danach auftreten und die Bühne erst in allerletzter Minute betrat. Und dafür war der Auftritt wirklich vorzüglich! Qualitativ gab es da wirklich kaum Mängel und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Übrigens bestritten Eisbrecher ihr Programm nicht nur mit ihren eigenen Songs, so zum Beispiel vom aktuellen Album Antikörper, dass es sogar in die deutschen Charts geschafft hatte, sondern verzierten den Auftritt auch noch mit einer interessanten Interpretation von Clawfingers Nigger.

Etwas schwierig hatten es die auf der Painstage nachfolgenden Hevein. Die Band gibt es prinzipiell schon ziemlich lange, und mit dem sehr gelungenen Versuch Violine (gespielt von der Violinistin Aino Piipari) und Cello (gespielt von Max Lilja (Ex-Apocalyptica)) in die Musik zu integrieren haben die Finnen einen durchaus eigenen Stil gefunden. Die eigenwillige Mischung aus Death/Thrash-Metal und getragenen Songs/Parts mit den Streichern ist aber vielleicht für ein Festival zu schwierig, das Publikum reagierte ein wenig zäh, vielleicht lag es einfach auch nur daran, dass nicht allzuviele Zuhörer das einzige verfügbare Album der Finnen Sound Over Matter bereits kennen. Ich persönlich fand den Auftritt klasse, besonders musikalisch, aber auch der sympathische und charismatische Auftritt des Frontfinnen Juha Immonen konnte überzeugen, und ich bin sicher dass wir von Hevein in Zukunft noch einiges zu hören bekommen.

Warum die Norweger Sirenia um Ex-Tristania-Sänger und Gitarrist bereits so früh auf die Bretter müssen, wird ein Rätsel bleiben. Denn von der Qualität der gebotenen Leistung schlagen sie zumindest eine der später spielenden Bands um Längen. Hier wird nicht nur weiblicher Gesang geboten, sondern dieser wird mit männlichen Growls zu einer harmonischen Einheit verwoben. Mit Liedern wie My Mind?s Eye, The Other Side und Downfall wird der Schwerpunkt auf die Promotion des neuen Albums Nine Destinies And A Downfall gelegt, aber auch alte Stücke kommen nicht zu kurz. Auf Dauer finde ich das Material des Vierers aus Stavanger aber etwas langweilig, da sich alles ziemlich gleich anhört. Nicht schlecht, aber es wiederholt sich eben alles. Zudem kann Sängerin Monika Pedersen live leider nicht so überzeugen wie auf Platte. Alles in allem ein eher durchwachsener Auftritt; die Fans der Band hatten aber durchaus ihren Spaß.

Die Band, die jetzt die Bühne tritt, paßt nicht wirklich in die Nachmittagssonne. Necrophobic aus Schweden gehören in die Dunkelheit. Dafür hat sich Sänger und Bassist Tobias Sideg?rd stimmungsmäßig der Zeit angepaßt und empfängt das Publikum nach einer langen Begrüßungsrede fröhlich mit ?Are you ready for Stockholm Metal???? Überhaupt mimt die Band nicht die klassischen Düsterheimer, sondern gibt sich schon im Outfit äußerst farbenfroh. Dabei sticht Gitarrist Sebastian Ramstedt mit seiner knallroten, hautengen Lederhose und dem farblich dazu passenden Instrument besonders modisch hervor. Auch der zweite Gitarrist, Johan Bergebäck, post was das Zeug hält und spielt mit den Fotografen. Die Band bringt ihre Mischung aus Black und Death Metal sehr tight rüber, einzig die scheppernde Snare nervt tierisch. Songs wie Into Armageddon oder Darkside bringen Band und Publikum zum Nackenquälen und im Publikum ist die Hölle los. Der Sänger spricht viel mit dem Publikum und zum Schluß gibt es im Publikum ?Fuck you Christ!?-Sprechchöre. Ein gelungener Auftritt einer Band, die wirklich überzeugen konnte. Gerne wieder!

Den Auftritt dieser Band sehe ich mehr oder weniger unfreiwillig, was an und für sich ja nicht schlimm ist, da man so immer mal wieder neue Bands entdeckt. Aber manche Bands will man einfach nicht entdecken. Hören sich L?Âme Immortelle auf Platte eigentlich noch ziemlich gut an, so sind sie live eher enttäuschend. Selbst Leute, denen nach eigener Aussage die Platten sehr gut gefallen, flüchten dann doch lieber. Dabei ist die Band musikalisch noch nicht einmal schlecht, mehr als ok aber auch nicht. Songs wie Phönix und Du siehst mich nicht werden ganz gut rübergebracht, was stört, ist einfach das optische Bild der Band. Insbesondere Sängerin Sonja Kraushofer, die es irgendwie schafft, nicht einmal annähernd so auszusehen wie auf den Promofotos, fällt auf, da sie sich stets völlig unpassend zur Musik bewegt und ihre Gestik meistens völlig übertrieben wirkt. Fallen Angel und Bitterkeit künden von den traurigen Seiten des Lebens, ebenso wie Live Will Never Be The Same Again. Den Text des Stücks 5 Jahre hätte man aber ruhig auf 10 Jahre abändern können, da auch L?Âme Immortelle dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag feiern. Zum Abschluß wird das Publikum aber richtig verschreckt. Gab man sich bisher voll Traurigkeit, Kummer und Gram, so vernimmt man auf einmal eine fröhliche Stimme von der Bühne: ?Warum singt denn hier keiner den Spiderschwein-Song? Dann machen wir das eben!? Und genau das passiert. Grausam, einfach nur grausam.

Die Schwaben End Of Green, mittlerweile Stammgäste auf dem Summer Breeze, betreten die Pain Stage. Die Jungs sind sehr kurzfristig für Crematory eingesprungen, die krankheitsbedingt absagen mußten. Deren Sänger Felix läßt es sich jedoch nicht nehmen, trotzdem auf dem Gelände anwesend zu sein. Doch zurück zu End Of Green. Das Publikum wird mit ?Hallo Fans!? begrüßt, dann herrscht Funkstille. Sänger Michelle Darkness redet den ganzen Auftritt über kein Wort, kein Song wird angesagt, gar nichts. Man zockt stumm seine Songs herunter, die dabei gar nicht mal so schlecht klingen. Darunter sind auch zwei neue Stücke und wenigstens die hätte man ja mal vorstellen können. Mit ihrem Gothic/Alternative können sie ziemlich viele, vor allem weibliche, Zuschauer vor die Bühne locken, und zum Schluß gibt es tatsächlich noch ein ?Bis bald!? für die Fans. Musikalisch gut, aber menschlich machten sie den Eindruck von abgehobenen Stars, die es nicht nötig haben, mit ihren Fans zu kommunizieren auch wenn dies wahrscheinlich nicht der Fall ist.

Blieben uns die Skandinavier auf der gecancelten Earthshaker Roadshock Tour noch verwehrt, so freuen wir uns nun um so mehr auf Finntroll. Dieses Jahr stellen wir uns aber weiter hinten und weiter außen hin, denn im letzten Jahr haben wir mehr von den Stagedivern als von der Band selbst gesehen und haben mehr Gewichtheben als Haareschütteln betrieben. Na ja, bei Finntroll läuft so etwas eben gerne ein wenig aus dem Ruder. Dafür beginnen sie den Auftritt heute mit den ruhigen Klängen von Gryning, dem Intro der neuen Platte Ur Jordens Djup. Man hält sich zunächst an den Ablauf des Albums und so kommt jetzt S?ng. Der Gesang ist allerdings so gut wie gar nicht zu hören und so kann man nur versuchen, die Lieder an der Melodie oder den ab und an auftauchenden Gesangsfetzen zu erkennen. Fiskarens Fiende und Jaktens Tid sind die nächsten Lieder, die man in dem Soundbrei erkennen kann. Bei ersterem hört man Sänger Vreth auch wenigstens ein wenig. Doch schon bei Eliytres, ebenfalls vom Album Nattfödd, ist wieder kaum etwas zu verstehen. Der Sound ist wirklich grausam und das Gewummer des Basses übertönt einfach alles. Kitteldags ist ebenfalls kaum zu erkennen, bei Nattfödd klappt es etwas besser, aber als gut ist der Sound noch nicht einmal annähernd zu bezeichnen. Anschließend erzählt Sänger Vreth, daß ja nicht nur das Summer Breeze in diesem Jahr 10 Jahre alt wird, sondern Finntroll ebenfalls. Daher wird zur Feier des Tages ein richtig alter Song, der schon auf der damaligen Demo vertreten war und schon ewig nicht mehr live gespielt wurde, nämlich Rivfader, präsentiert. Vor dem wohl bekanntesten Lied der Finnen, dem Trollhammeren, muß der Sänger unbedingt noch ein nerviges Shout-Spielchen machen, bevor dann im Publikum die Hölle losbricht und zu dem Song gepogt, gedivt und gebangt wird, was das Zeug hält. Schließlich gibt es doch noch ein paar Songs vom neuen Album, nachdem man den Schwerpunkt des Auftritts auf das Album Nattfödd gelegt hat. En Mäktig Här jagt über das Publikum hinweg, bevor es dem Slagbroder gegenüber steht. Zum Abschluß des Gigs spielt man das sehr schnelle Ursvamp, bei dem der Sound auch wieder etwas besser ist. Hier werden noch einmal letzte Kraftreserven mobilisiert und alles gegeben. Hat es zu Beginn des Auftritts noch geregnet, kommt nun zum Ende hin die Sonne heraus und über dem Campinggelände wölbt sich ein Regenbogen. Sänger Vreth läßt jedoch angesichts dieses idyllischen Bildes den düsteren Troll raushängen und verabschiedet sich von den Fans mit den Worten ?Fuck The Sun!?

In vorigen Jahr wurden Volbeat noch als Geheimtipp gehandelt und verpassten beinah ihren Auftritt wegen eines Bus-Defekts, dieses Jahr hatten sie bereits auf dem With-Full-Force-Festival einen denkwürdigen Auftritt hingelegt und waren auch auf dem Summerbreeze in die besseren Slots vorgerückt. Nachdem die meist jüngeren Finntroll-Anhänger das Feld geräumt hatten sammelte sich dann auch schnell ein großes Publikum dass die Dänen um Michael Poulsen, den Elvis der Metal-Szene, frenetisch fröhlich feierte. Mit dem neuen Album Rock the Rebel/Metal the Devil im Gepäck wurden dann auch gleich einige Krache der Scheibe zum Besten gegeben: Rebel Monster, The Gardens Tale, Radio Girl und natürlich Sad Mans Tounge, aber auch die wichtigsten Songs des The Strength, The Sound , The Songs-Albums wie Caroline Leaving und Pool of Booze durften nicht fehlen. Zuguterletzt demonstrierte Mr.Poulsen noch die ultimative Publikumsnähe, indem er sich als Stagediver betätigte. Grandios.
Bolt Thrower auf einem Festival?? Manch einer wird es nicht glauben, aber wir haben es gesehen! Normalerweise treten die Briten nicht auf Festivals auf, aber irgendwie hat der gute Achim es geschafft, sie zu überzeugen uns auf dem 10-jährigen Jubiläum die Ehre zu geben. Und die haben sie uns gegeben: wie eine Dampfwalze überrollen die Gentleman (und die Lady(!)) aus Birmingham die Menge. Der rollend-groovige Sound bringt einfach jede Nackenmuskulatur zum zucken und dementsprechend viel Haar sah man vor der Bühne fliegen. Mit No Guts No Glory, Inside the Wire, The Killchain, Mercenary, Forever Fallen, For Victory …, IVth Crusade, Powder Burns und einem Medley aus World Eater und Cenotaph war dann musikalisch auch fast jedes Album der letzten 20 Jahre vertreten und im rötlichen Schein der Werfer vorgetragen.
Anmerkung zu Bolt Thrower: Die Band ist ja bekannt für ihre nicht vorhandene Unterstützung der Kommerzialisierung der Szene. Dementsprechent hatten sie ihren eigenen Merchandise-Stand an dem Shirts zu Spottpreisen von den Musikern höchstpersönlich verschleudert wurden. Wir fordern: sobald wie möglich wieder auf dem Breeze spielen und dann mehr Shirts mitbringen, damit wir auch noch welche bekommen!! … in a world of compomise, some don’t ….