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With Full Force 2005
19. August 2005
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With Full Force 2007
19. September 2007
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wff_sumo_2006

Freitag – Zweite Angriffswelle
Mit einem um eine Nummer größeren Schädel wachte ich in meinem etwa 55,4 Grad Celsius warmen zeltähnlichen Gebilde auf und bemerkte, dass der für die Nacht vereinbarte Waffenstillstand längst vorbei war und erneute Kampfhandlungen stattfanden. Aber keine Spur von klabusterbeerähnlichen Maikäfern. Nein. Heute penetrierten uns unidentifizierbare schwarze mm²-große Viecher, deren Hauptangriffsziel der unmittelbar links neben meinen Gemächern geparkte gelbstrahlende Wohnwagen meines Mitbewohners war. Nach erbittertem Kampf mit zu Flammenwerfern umfunktionierten Duftspraydosen wurden wir erneut zur Aufgabe gezwungen und mussten die stetige Präsenz der kleinen Quälgeister billigen. Auf unserem kurzen Weg zum Festivalgelände verflüchtigte sich glücklicherweise der erbarmungslose Gegner mit seinem Triumph im Gepäck und wir konnten die ersten Bands begutachten. Aufgrund der zu hohen Sonneneinstrahlung fanden wir den Weg zur schon gut gefüllten Tentstage, wo Hardbowl angesagt war.bild_098
Deadsoil eröffneten mit Metalcore vom Feinsten. Sehr fetter Opener und absolut meine Mucke. Danach feuerten Do or Die und Knuckledust fette oldskool-Hardcore Sounds in die Menge und es ging schon recht gut ab. Zeitgleich spielten auf der Mainstage The Anti Doctrine, Bloodsimple und Devildriver, wo es wegen einigen anwackelnden blutigen Nasen wahrscheinlich auch gut zur Sache ging.
Tja König Fußball regiert nicht nur die Welt sondern auch das WFF. Tausende standen vor der Leinwand und fieberten mit der deutschen Elf im Krimi gegen Argentinien. Somit hatten Trivium, The Kings of Nuthin und The Black Dahlia Murder schlechte Karten, jedoch konnte ich mich dann doch von Miro und Poldi losreißen um Slipknot-Frontmann Corey Taylor und Stone Sour zu sehen. Corey nahm es gelassen, dass auch auf der Leinwand direkt neben der Bühne das Spiel gezeigt wurde. Er mutierte stellenweise sogar zum Hobbykommentartor. „Yeah, Germany scored a goal“ schrie er während der neuen Single „30/30-150“ als er sah wie die Menge ausflippte. Anders die Jungens von Madball, denen es tierisch auf den Sack ging, dass der Großteil des Publikums das Elfmeterschießen auf der Leinwand verfolgte. „Fucking look to the stage now, motherfuckers!“ platzte Frontmann Freddy Cricien vor Wut in die Menge, was ich gut verstehen kann. Schon mal von 10000 Menschen komplett ignoriert worden? bild_186
Als Kreator loslegten, befand ich mich im Fotograben und wollte Mille und seine Metal Monster knipsen und wurde mit einer Ladung giftgrünen stinkenden Nebel mitten in die Fresse belohnt. Nach den 3 Liedern Knipszeit flüchtete ich mit meiner WG Richtung Zeltplatz, um bei Freunden Bier zu tanken und grübelte: Soulfly oder Boysetsfire? Unentschieden. Der Oi!-Tribalzug mit Lokführer Max Cavalera rollte über das Full Force weg und dir Erde bebte. Bei Ausnahmesongs wie „Back to the primitive“ und “Prophecy“ oder auch Sepulturaklassiker wie „Roots bloody roots“ sowie dem sehr überraschendem The Prodigy-Cover „The Poison“ flogen Gliedmaßen und andere Körperteile der sich zerfetzenden Crowd in alle Himmelsrichtungen, ein Energiefeuerwerk der Extraklasse. Dann zog ich die Notbremse um eine der angesagtesten Wieauchimmer-core Bands zu erleben, hier war von emo-mäßigen Gänsehaut-Parts bis zu derbe rockenden Mörder-Riffs alles dabei und das aus allen Nähten platzende Tent feierte ekstatisch. Der heutige Headliner Celtic Frost aus der Schweiz, die extra für das WFF reunierten (komisches Wort), waren nicht wirklich mein Geschmack und ich beschäftigte mich auch wegen erhöhtem Alkoholpegel mehr mit den netten Coyote Ugly-Bardamen, die uns ganz schön einheizten. Hui Buh! bild_193
Auf zur Knüppelnacht. Bevor Dismember auf der Tentstage losschredderten, vernahm ich eine düstere schwarze Präsenz hinter mir. Eine ihren Angaben nach 1,90m große 16-jährige klärte mich über die kommenden Bands auf und mit jedem ihrer dominanten Worte bekam ich mehr Furcht und dachte schon über den nahenden Tod nach und malte mir unzählige Möglichkeiten der Art und Weise aus, wie mich die für mich 2,10 m große Mutter Satans abschlachten würde. So vollzog ich einen geschickten Seitenwechsel mit langem Pass Richtung Cocktailbar und TOR! Napalm Death und Mystic Circle bekam ich aufgrund äußert netter weiblicher Gesellschaft nur noch teilweise mit, darauf folgte der Totalausfall. Nur ein kurzer Augenblick, in dem ich eine kreischige Stimme „Frühlingserwachen“ zirpen hörte, blieb von der legendären Knüppelnacht im Gedächtnis. Endstille
Samstag – Roitzschjora-Doktrin 2006
Anscheinend hatte es der Veranstalter wirklich geschafft, einen Nichtangriffspakt mit dem dominierenden Gegner auszuhandeln, denn keine nervenden Monsterkäfer und nur vereinzelt auftretende schwarze Krabbler waren zu orten. Vielleicht lag es auch daran, dass das Abwasserrohr über dem nebenan liegenden gut besuchten Baggersees die Absonderung einer braunen dickflüssigen Substanz in den selbigen „Badesee“ einstellte. Leute, ob dafür die Versicherung aufkommt? Fragen wir doch mal nach bei A.O.K.. Die Spaß- Punk- Versicherungsgruppe servierte während der knappen halben Stunde Spielzeit Hotdogs und Kopfsalat per Luftpost, feuerte bei einem Stromausfall die Gitarre ins Publikum und machte sich immer mehr frei bis sie gegen Ende komplett nackich auf der Bühne rumstolperte. Erst zu Raunchy betraten wir das Festivalgelände, die mit Metalcore wie danach auch The Haunted eine große Zahl an Fans bei 35 Grad und praller Sonne den Gar ausmachten! Nun aber einer meiner Höhepunkte des WFF. Eine der wegweisendsten Metalcorebands Heaven Shall Burn aus Saalfeld brachte die Stimmung zum kochen! Neben „Finale!!“-Mitsing-Spielchen veranstaltete Frontmann Marcus ein wahres Massaker mit einer gigantischen Wall of Death, die man hoffentlich bald auf DVD bestaunen kann. Schade war nur, dass man weil wir etwas rechts standen und wegen des extremen PANs nur die rechte Gitarre zu hören war. Bei den Blackmetallern Obituary zogen wir es dann doch vor, aus der brennenden Sonne zum Hardbowl ins Zelt zu flüchten wo Toxoplasma rüpeligen deutschen Punkrock mit ziemlich platten Texten spielten. Sie brachten auch einige Fußballvernarrte dazu, sich von der Leinwand wegzudrehen. Wir pflanzten uns dann aber auch zum entspannen in die WFF-Fanmeile. So verpassten wir vor lauter Standfußball dann auch noch Clawfinger und bei In Extremo und Agnostic Front fanden wir auf dem Zeltplatz unter unserer phänomenal aufgebauten Plane Schutz vor der unerbittlichen Sonne, um dann für die absoluten Headliner des WFF wieder fit zu sein.bild_330
In Flames aus Schweden haben in der nun folgenden eineinviertel Stunde die Latte in den Disziplinen Light- und Pyroshow und deren Abstimmung zur Musik deutlich nach oben verschoben. Ein Haufen LEDs tanzte zur Musik hoch und runter, Flammenwerfer auf dem Boden illuminierten den „Quiet Place“ von unten, die „Pinball Map“ war der erste Anlass, die Hüpftauglichkeit der Staubwüste auszuprobieren. Über alles erhaben die Gitarrenduelle zwischen Jesper und Björn. Anders Fríden unterhielt heute nicht mit spontanen Geistesblitzen, sondern erklärte die ernsten und selten gelüfteten Hintergründe der Songs. „Bulletride“ ist z.B. einem Freund der Band aus Jugendtagen gewidmet, der zwischen den Ansprüchen seiner großindustriellen Eltern, in deren Konzern einzusteigen, und den eigenen Wünschen als ganz normaler Metalhead zu leben und mit Kumpels einen trinken gehen zu können, zerrieben wurde und Suizid beging. Insgesamt ein eher nachdenklicher IN FLAMES Gig mit Message, zwischen der Raketen innerhalb der Bühne von rechts nach links flogen, Pirouetten drehten und weitere aberwitzige Dinge taten. Nach dem eher hardcore-lastigen „Scream“ verfeuerte die Band bereits „Only For The Weak“ und schaffte es, sich danach noch einmal selbst zu übertreffen. Zu „Cloud Connected“ spielten die Pyros den Drum-Einsatz, und zwar präzise und im Wechsel mit Daniel Svensson. Wahnsinn. Nach „Touch Of Red“ schien Schluss zu sein, aber mit der Ballade „My Sweet Shadow“ und weißem Konfettiregen verabschiedeten sich IN FLAMES würdig. Yeeaaahhhhh!!
Nach einer kleinen Verschnaufpause gingen wir ins VIP-Zelt zu Mastermind Mambo Kurt, der es mit seinen Rockklassiker-Bossanova tatsächlich versteht, jeden, egal ob Blackmetal-Untoter oder Hardcore-Punk, einfach jeden dazu bringt, eine Polonaise zu tanzen. Respekt! Ich konnte mich dann doch noch mal zum Saturday Night Fever absetzen und es lohnte sich. Die Überraschung für mich die doch noch unbekannten Australier Synthetic Breed. Einfach nur Fett! Kranke Screams, die derbsten Gitarrenbretter und ein Groovemonster an den Drums mit Beats, die einfach keinen Takt benötigten, überirdisch. Bei Die Krupps leerte sich dann das Zelt, war dann doch nicht jedermanns Sache. Auch wir verzogen uns allmählich in unsere Kojen.

Sonntag – Letztes Aufbäumen
Heavy Metal, nix im Scheddel. Für mich war das WFF ein wahres Gehirnzellenmassaker, so kämpfte ich Sonntagmittag mit argen Koordinierungs- und Orientierungsproblemen. Aber mit dem alltäglichen Eierlikörfrühstück legte sich der enorme Innenkopfüberdruck und als man dann noch von den Bonnern Fire in the Attic und ihren 2 Hammeralben verwöhnt wurde, war die Welt wieder in Ordnung. Der Opener vom Hardbowl rockte was das Zeug hielt aber das doch noch etwas müde Publikum ging dazu leider nur teilweise mit. Mambo Kurt, heute auf der Mainstage und verstärkt durch die Bossa Babes, hinterließ grinsende Gesichter beim Publikum, welches auch große Fortschritte beim Paartanzen machte, großes Kino! Folk meets Punk. Nur die ersten Reihen wissen ob bei The Real McKenzies etwas anderes als Stoff unter ihren Kilts hallo sagte. Soilwork fiel kurzfristig aus, aber Ersatz war schnell gefunden. Und Gott sah, dass es Holy Moses war. Mein erster Gedanke war, eine einstweilige Verfügung für Sängerin Sabina zu beantragen, aber mindestens 10 Meter Abstand. Bei ihrem Katzenvergewaltigungsartigen Blutrauschgesängen stockte einem echt der Atem. Auch das doch zarte Geschöpf Angela Gossow von Arch Enemy gab Screams direkt aus der Hölle von sich. Während dessen bekam das Hardbowlpublikum eine gehörige Portion HC-Punk aufs Maul. Rawside aus Coburg, die neben uns wohnten und sich mit uns gegen die Käferplage verbündeten, schlugen Alarm und das Iro-Volk war im Ausnahmezustand. „In den Arsch, in den Arsch, in den Arsch….“ eine der geistreichsten Textzeilen überhaupt, sangen Die Lokalmatadore im überfüllten Tent.
Nun als eines der Highlights des Festivals zockten auf der Mainstage die Jungens von Bullet for my Valentine ihre Fans in Grund und Boden. Schade war, dass der Gig von technischen Problemen an Energie verlor. Die rechte Basedrum war für ein paar Tracks völlig weg, wodurch Moose’s Doublebase-Parts natürlich mächtig litten. Die Bullets mussten auch mit Ersatzbassisten spielen, weil Jay ein Kind bekommen hatte. Im Großen und Ganzen war es durch die Tracks von The Poison, eines der geilsten Metalalben überhaupt, ein sehr schicker Beitrag von den Walisern. Das New Yorker Hardcore-Urgestein Sick of it all die spontan einen Gig in den USA cancelten um für Korn, die wegen Krankheit des Sängers Jonathan leider, leider absagen mussten, mischte das WFF noch mal richtig auf. Selten hat man auf einem Konzert einen kaputteren Bass gesehen als den von Craig Setari. Die Erfinder der Wall of Death ließen das komplette Festivalgelände durch moshendes Publikum im Staub versinken bevor die Legende die Bühne betrat. „We are Motörhead and we play Rock ´n Roll!!!“ Frontmann Lemmy, der sich ausschließlich von Whiskey mit Eis ernährt, wirkte etwas angeschlagen. Man hatte ja die Vermutung, dass werter Mr. Kilmister, wie schon ein paar Male zuvor, aufgrund der Hitze und zu viel Whiskey Kreislaufprobleme hat und nicht spielen könnte. Der Mann mit dem höchsten Mikroaufbau ist schließlich schon 163 Jahre alt!!! Dennoch lieferte die, wie ich finde, „lauteste Band wo gibt!“, eine 2-Stunden-Hammer-Showse ab. Allerdings empfand ich das doch zu lange Drumsolo als etwas nervig.
The last supper begann mit Lumsk er träge, die eher aufdringlichen Soprangesangsorgasmen der doch etwas zerbrechlich wirkenden Sängerin ließen die Zuhörer öfters auf die Uhr schauen bis dann endlich Opeth mit ihren Überlängenrockhymnen, ich glaube 6 an der Zahl in 40 Minuten, einen viel zu kurzen Sahne-Gig mit einer Mördersangesleistung und Humor ablieferten. Nach Graveworm waren als krönender Abschluss Amorphis am Start. Mit neuem Sänger Tomi reisten die Finnen quer durch alle Alben und beendeten das WFF, das geilste Metal Openair in Deutschland mehr als würdig. Bis nächstes Jahr zum WFF XIV.