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With Full Force 2003
19. August 2003
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With Full Force 2005
19. August 2005
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Freitag, 2. Juli 2004
Nachdem wir dann am Vorabend noch kräftig von der Vorfestival-Partystimmung mitgerissen wurden, hatten wir am Freitag Morgen etwas Mühe, die Herrschaft über unsere Körper zurück zu gewinnen, doch spätestens als die ersten Töne aus dem Hard-Bowl-Zelt erklangen, waren alle Katerbegleiterscheinungen wie weggeblasen und pünktlich 14.00 Uhr legten die Opener des diesjährigen WFF kräftig los. Die Stuttgarder Sidekick liesen dann auch gleich den letzten Unwissenden erahnen, auf was er sich mit dem Erwerb eines WFF-Tickets eingelassen hat, doch die Überzahl der Anwesenden wusste sowieso, dass das With Full Force kein Festival mit Weichspülgarantie ist und so ging es innerhalb kürzester Zeit in den ersten Publikumsreihen auch schon richtig zur Sache. wff04_014
Die Sidekick Show war definitiv ein äußerst gelungener Festivalauftakt und mit unverminderter Heftigkeit ging es gleich mit der zweiten Band Maroon weiter. Die Jungs aus Nordhausen waren mir schon im Vorfeld aufgrund ihrer Message und ihrer Einstellung sehr sympatisch, doch was sie auf der Bühne ablieferten, überzeugte dann vollkommen. Da soll mir doch nochmal einer sagen, wer kein Fleisch isst, hat keine Kraft. Was war denn das dann eben? Was Maroon boten, war doch wohl ein Straight-Edge-Kraftpaket der heftigsten Sorte!
Gegen 15.00 Uhr dröhnten dann auch die ersten Töne von der Hauptbühne als die eigentlichen Opener des 11. WFF Open Airs, die Hamburger NuMetaller Tape ihre Show starteten. Doch das erste was mir auffiel war, dass der Sound vor der Mainstage im Gegensatz zur Zeltbühne, wo man übrigens während des kompletten Festivals mit einem Sound wie aus dem Livekonzertbilderbuch beglückt wurde, leider etwas zu wünschen übrig lies. So klang leider auch Dacia´s Stimme stellenweise etwas dünn, doch die Fans störte das kaum, was die für diese Uhrzeit doch schon beachtliche Menschenmenge vor der Bühne belegte. wff04_064
Spätestens die zweite Band auf der Mainstage, The Real McKenzies wirkte dann entgültig wie der rabenschwarze Guten Morgen Kaffee, denn die Mischung aus Punkrock und Folk klang mächtig nach einem feuchtfröhlichen Partygarant und brachte auch schon eine ordentliche Portion Bewegung in die Menge.
Als nächstes kam Soilwork auf die Bühne und hier wurde gleich noch einmal die witterungsbedingt etwas in Mitleidenschaft gezogene Soundqualität bewusst, denn viele der harmonischen Riffs und Melodieläufe, die man von den Soilwork-Platten kennt, wurden leider gnadenlos vom Winde verweht. Die Schweden rockten trotzdem was das Zeug hielt und die Fans dankten es mit ausgiebigen Hüpf- und Moscheinlagen.
Auf der Zeltbühne wurde nach E-Town Concrete und Misconduct zur Zeit mächtig gerockt. Peter Pan Speedrock (der Name sagt ja wohl schon alles) bewiesen, dass man für mächtig was auf die Mütze kein halbes Orchester auf die Bühne stellen muss. Das holländische Trio bot sowohl akustisch als auch optisch eine extra fette Rock´n´Roll-Show und das bestätigte nicht zuletzt die Resonanz des Publikums des inzwischen prall gefüllten Hard-Bowl-Zeltes.
Gleich danach gab es wieder einen fetten Brocken Metal-Core von den Berlinern Punishable Act während vor der Mainstage die Fans von Filigran-Thrash-Metal von und mit Death Angel auf ihre Kosten kamen.
Kurz vor 19.00 Uhr stand dann ein leichter Kurswechsel auf dem Spielplan: Das Flaggschiff der With-Full-Force Stummpunker Exploited enterte erneut die Bühne. Wattie und seine Kollegen wüteten sich wieder einmal durch ihr Set und ernteten dabei grandiose Publikumsreaktionen nicht nur von den Fans der Punk-Legende. wff04_081
Wesentlich heftiger ging es zur gleichen Zeit auf der Hard-Bowl-Bühne zu. Doublebass-Attacken wechselten sich ab mit harten Mosh-Parts, ein Sänger, der scheinbar die Wut einer ganzen Generation aus sich herauszubrüllen schien und das ganze gelagert auf einem 45 minütigem beinhartem Grooveteppich. Verantwortlich für diesen energiegeladenen Kraftbatzen waren Caliban. Respekt, wieder eine Band, die vom ersten bis zum letzten Ton überzeugte!
Auf der Hauptbühne wurde es nach dem Punk-Gewitter von Exploited dann zum ersten mal richtig böse. Der als Workaholic bekannte Peter Tägtgren und sein Kult-Todeshaufen Hypocrisy kamen auf die Bühne, um die erste lupenreine Death Metal Show des Festivals abzuliefern. Leider überzeugte der Sound der Schweden nicht 100 prozentig, doch die Fans im Moshpit ließen die Matten fliegen sowohl zu den Songs der neuesten, inzwischen wohl schon ca. zehnten Platte, und zu den Klassikern aus Penetralia-Zeiten sowieso.
Bei einem kurzen Ausflug ins Hard-Bowl-Zelt wurde dann auch erstmal richtig bewusst, wie abwechslungsreich doch eigentlich heftige Musik sein kann. Während vor der einen Bühne diverse Halswirbel zu düstersten Todesprügelattacken ausgerenkt werden, ist keine 100 Meter weiter vor der anderen Bühne eine ausgelassene Party ganz anderer Art im Gange. Donots standen auf den Brettern und hatten mit ihrer Poppunk-Hardcore-Crossover Show ihr als hüpfender und springender Menschenknäuel angetretenes Puplikum voll im Griff.
Und genauso kontrastreich sollte das Programm auf der Hauptbühne auch weitergehen. Wähnte man sich eben noch in den tiefsten Abgründen der Death Metal Hölle, wurde man im nächsten Moment schon wieder in ein komplett anderes Universum katapultiert. Goldkehlchen Keith Caputo und die wieder zusammengefunden Life Of Agony kamen als nächstes auf die Bühne. Und genau wie bei ihrem grandiosen 96´er Auftritt gelang es der Band mit ihren mitreisenden Groovehymnen das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann zu ziehen und eine knappe Stunde nicht mehr loszulassen. Geile Show, relativ guter Sound, göttliche Band, die wir jedoch leider nicht bis zum Ende miterleben konnten, da sich gegen 21.00 Uhr schon die nächste Pflichtveranstaltung im Hard-Bowl-Zelt ankündigte. wff04_125
Die Beatsteaks standen auf dem Plan und die Berliner machten ihren Ruf als exzellente Liveband alle Ehren. Es gab tatsächlich eine der besten Live-Shows des Tages zu sehen, sowohl von der Party vor und auch auf der Bühne als auch von der Band-Publikum-Kommunikation. Die Songs des aktuellen Hitalbums „Smacksmash“ klangen live logischerweise noch einen Tick lebhafter und rotziger als sie eh schon auf Platte klingen und bei den Singels „I Don´t Care As Long As You Sing“ und „Hand In Hand“ stand das Zelt kurz vor der Explosion.
Direkt nach Beatsteaks wurde es auf der Mainstage noch einmal richtig heftig, denn die Metalcore-Dampfwalze Hatebreed rollte auf die Bühne. Die folgenden 60 Minuten waren ausgefüllt mit wuchtigsten Groove-Granaten und ihre Rolle als Aushängeschild der With-Full-Force-Philosophie erfüllte die Band allemal, nicht zuletzt in Anbetracht des bis in die letzten Reihen springenden Menschenteppichs vor der Bühne.
Als Hatebreed gegen 23.00 Uhr die Bühne verließen, war die Meute angeheizt genug und bereit für den Freitag Abend Headliner. Tausende Fans haben sich vor der Mainstage versammelt und warteten auf die großen Helden der Stunde Slipknot. Und sie warteten, und warteten… OK, in Anbetracht der Tatsache, dass das Slipknot-Equipment schon den ganzen Tag auf der Bühne stand, schien die Umbaupause tatsächlich etwas zu lang, doch es wird seine Gründe gegeben haben. Außerdem will ja Gut Ding bekanntlich Weile haben, und so kam es, dass die Maskenchartbreaker aus Iowa nach der längsten Umbaupause des Tages, für die sie sich während der Show jedoch noch ausdrücklich entschuldigten, gegen Mitternacht endlich auf die Bühne kamen. Dass sich das warten gelohnt hat, war dann auch innerhalb kürzester Zeit jedem Anwesenden klar, die kurze Zeitverzögerung war im Nu vergessen und das Gemetzel nahm seinen Lauf. Schon allein optisch ist eine Slipknot-Show ein Spektakel. In jeder Ecke springt, klopft, hämmert, prügelt irgendjemand vor sich hin, ständig fetzt eine andere Maske von einer Bühnenecke in die andere während woanders schon wieder jemand auf die höchste Spitze irgendeines Prügelinstrumentes geklettert ist und versucht kopfüber in selbiges einzudringen. Umso phänomenaler ist es, dass die neun Bekloppten trotz exzessivster Bühnenshow soundtechnisch zu einer megafetten Einheit verschmelzen und dem Publikum einen Präzisionsdampfhammer nach dem anderen um die Ohren hauen. Und dass sie das Publikum zu 110 Prozent in ihren Bann gezogen hatten zeigte sich spätestens, als zeitweilig das komplette Auditorium vor den Hyperaktivfratzen auf die Knie ging. Respekt, ein sensationeller Auftritt eines würdigen Freitag-Abend Headliners!
Wer nach dem Slipknot-Schlachtfest noch immer nicht genug Hartwurstsuppe aufgetankt hatte, bekam nun die Chance sich noch ein fettes Brett der derbsten Klasse abzuholen. Direkt im Anschluss an die Slipknot-Show fetzte auf der Zeltbühne die vor allem von den dunkelbeseelten Mattenschüttlern des Festivals heißersehnte Knüppelnacht los. wff04_247
Disbelief, die erste Band dieses Events fiel leider gerade in unsere schwer verdiente redaktionelle Mittagspause, doch bei der zweiten Knüppelband Malevolent Creation waren wir wieder fast komplett vor der Bühne versammelt. Meine Fresse, ganz schön starker Tobak, der einem da um die Ohren gefeuert wurde. Brutalste Kettensägenriffs, unmenschlichstes Magen-Darm-Gegrunze und ein Schlagzeuger, der scheinbar mit dem Auftrag, mit seinem Doublebass-Spiel unseren Planeten zu zermalmen, direkt in der Hölle gezüchtet wurde. Wenn irgendeine Band prädestiniert dafür ist, bei einer Veranstaltung mit dem Namen Knüppelnacht zu spielen, dann ist das definitiv Malevolent Creation!
Gegen halb drei Uhr morgens bekam ich dann endlich einmal die Chance, eine der ganz großen Bands meiner Jugendzeit zu sehen. Old-School-Death-Metal von Benediction stand auf der Tagesordnung. Kompromisslos, druckvoll und energiegeladen walzten die Briten alles platt was vor die Bühne kam. Benediction rotzten Songs aus über zehn Jahren Death-Metal Geschichte in die Nacht, wobei meine persönlichen Highlights „Subconscious Terror“ vom gleichnamigen 1990er Debütalbum und „Jumping At Shadows“ vom Nachfolgerwerk „The Grand Leveller“ nicht fehlen durften. Hach, dass ich das noch erleben durfte!
Nun, 13 Stunden Trommelfellmassaker hinterlassen ihre Spuren. So kam es, dass ich mir, als ich mich nach dem Benediction-Auftritt von meinen Kollegen inzwischen allein gelassen, in einer Heerschar scheinbar unermüdlicher Schwarzmetallzombies wiederfand, eine Pause gönnen musste. Glücklicherweise fand ich am Bierstand (wo sonst) Jan, den Bassisten unserer Band, den ich ja nun auch schon seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Bei einem kleinen Pläuschchen und einem kühlen Feierabendbierchen zogen wir uns dann die Blackmetal-Prügelknaben Naglfar vom Bierstand aus durch die Gehörgänge.
Gegen halb fünf Uhr morgens riskierte ich dann doch noch einen Blick auf die Knüppelbühne, auf der inzwischen die entgültig letzte Band des Abends (oder Morgens), die norwegischen Blackmetal-Bolzenschussgeräte Mayhem losprügelte. Und so abwechslungs- und kontrastreich der komplette vergangene Tag auch war, die Show der Nordschwarzlichter schien noch einmal alles toppen zu wollen: Der Mond hing noch in seiner vollen Pracht über uns, auf der anderen Seite des Knüppelzeltes stand bereits die Sonne hoch am Himmel und auf der Bühne prügelten sich die norwegischen Befürworter des gehörnten Höllenbosses in einer bizarren Pappe-Winterkulisse, die mich zu diesem Zeitpunkt leider eher an eine erzgebirgische Weihnachtsmarktdekoration erinnerte, aufs heftigste den Arsch ab. Das war für mich dann entgültig das Zeichen, nicht auf noch größere Augenblicke an diesem Tag zu warten, und unter Vögelgezwitscher und der Morgensonne im Nacken schlurfte ich, von den letzten Schwarzblei-Zuckungen aus der Mayhem-Winterwelt begleitet, in mein Nachtlager Samstag, 3. Juli 2004 wff04_354
Nach einer relativ kurzen Nacht, die Sonne stand nur unwesentlich höher als eben, als mich Mayhem in den Schlaf säuselten, stellte sich zunächst eine entscheitende Frage: Soll der Tag albern-lustig mit einer Portion Nothing-Core aus Frankfurt beginnen oder besser gleich wieder mit einer vollen Breitseite mit Old-School-HC von I Defy?! OK, wir sind keine Weicheier, lustig sind wir sowieso, also Zeltbühne! Und das war auch eine gute Entscheidung, denn I Defy rüttelten die müden Knochen wieder ordentlich wach. Druckvoller, technisch perfekt ausgefeilter Hardcore der alten Schule mitten in die müde Fresse…Guten Morgen!
Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen kurz zur Hauptbühne rüberzuschielen, da ich irgendwo gelesen hatte, A.O.K. können inzwischen ihre Instrumente auch zu dem ihnen vorbestimmten Zweck bedienen. OK, dazu kann ich dann leider doch nix sagen, weil ich ausgerechnet zu dem Song „Stromausfall“ ins Programm geplatzt bin. Ansonsten erwartete den geneigten Zuhörer allerdings wie gewohnt kompromissloser Blödsinn und wie immer schicke Outfits!
Spätestens mit der nächsten Band Ektomorf trat dann auch auf der Mainstage wieder Musikkultur ein. Die Ungarn legten mit ihrem experimentellen und äußerst heftigem Groove-Core einen beachtlich guten Auftritt auf die Bretter der überzeugte und schon eine gewaltige Menschenmenge zu den ersten heftigen Hüpfattacken des Tages animierte.
Mit Chimaira betrat dann einer unserer Highlight-Acts des Festivals die Bühne. Dass wir mit unserer Meinung nicht alleine da standen, bewiesen fette Staubwolken, die bereits nach wenigen Minuten vor der Bühne gen Himmel stiegen und von einer heftigen Party im Moshpit zeugten. Eine gute halbe Stunde lang wurden den ausgetickten Fans die Trümmer von megafetten Betonriffwänden, die auf groovigsten Doublebassfundamenten gelagert sind und ständig von Mördersolis und Melodieläufen aufgesprengt wurden um die Ohren geschleudert, und die Meute hatten sichtlich Spaß dabei. So wird moderner Metal zelebriert!
Zeit für ein kurzes Chillout, ein zweites Frühstück am Bierstand, begleitet von einer dreckigen Portion Rotzrock von The Bones und frisch gestärkt ging es auf zum nächsten Highlight.
Das Latino-Groove Unwetter Ill Nino war nun an der Reihe. Binnen kürzester Zeit bewiesen die Amis, dass sie ihren Namen zurecht tragen, denn was sie im Moshpit anrichteten, glich tatsächlich einem mittelschweren Wirbelsturm. Die Menge vor der Bühne tickte total aus, was erneut fette Staubwolken aufkommen lies und den Rest erledigten die Wettergötter, die sich anscheinend mit einem Groove-Wirbelsturm irdischen Ursprungs nicht wirklich anfreunden konnten und konterten daher mit einem Wolkenbruch ganz ohne metallische Hintergedanken.
Der Auftritt von Grave Digger fiel für uns auf jeden Fall ins Wasser. Wir drängten uns lieber noch mit ins wetterbedingt zu diesem Zeitpunkt proppenvolle Hard-Bowl-Zelt, wo gerade Born From Pain und anschließend Discharge spielten, wovon wir allerdings aufgrund der eben äußerst unvorteilhaften Platzauswahl im Zelt nicht viel mitbekommen haben.
Regen hin, Regen her, viertel nach sieben liefen wir wieder vor der Mainstage ein, um die Show von Fear Factory zu sehen. Mit neuer fetter Platte und neuem Line-Up am Start ließen es Burton C. Bell und seine Jungs auch live wieder ordentlich krachen. Dem begeistertem Publikum wurde 45 Minuten Präzisionsgeballer in gewohnt perfekter Fear Factory-Manier geboten, in einem für die Hauptbühne sogar recht gutem Sound. wff04_328
Als nächstes freute ich mich dann auf eine Band, die ich vor knapp 10 Jahren das letzte mal live erleben konnte, was mich dazu veranlasste, gleich vor der Mainstage stehen zu bleiben. Die Kult-Totengräber von Six Feet Under waren an der Reihe und das Bestattungskommando um Frontgurgel Chris Barnes zeigten sich enorm spielfreudig und rotzte die eingängigen Death-Metal-Hymnen wie frisch angespitzte Sargnägel ins Publikum. Six Feet Under lieferten extrem coolen Old-School-Death-Metal in einem frischen modernen Metalsound.
Fast zeitgleich zur Six Feet Under Show hat auf der Hard-Bowl-Bühne eine andere Kultband zum Tanz geladen. Die Hardcore-Legende Ignite gab sich die Ehre und rührten die Fans im Moshpit ordentlich durch. Heftigste HC-Kracher wechselten sich ab mit äußerst wortreichen Statements, von denen ich aufgrund des ungebändigten Redeflusses leider kein Viertel verstand. Ignite präsentierten alles in allem eine extrem engagierte, energiegeladene und ehrliche HC-Show, die die Fans im Zelt bestens zu feiern wussten.
Zurück vor der Mainstage stand direkt im Anschluss an die Ignite-Show mit Agnostic Front die nächste Kult-HC-Institution auf den Brettern. Wenn bis jetzt immer noch irgendjemand im Publikum war, der nicht wusste, wie Hardcore in seiner rohesten, ehrlichsten Form zelebriert wird, bekam während der folgenden Extra-Lektion allerheftigst in den Allerwertesten getreten. Agnostic Front bretterten knapp eine Stunde lang einen Old-Shool-Hassbatzen nach dem anderen in die mächtig aufgeheizte Menge und schürten den glühenden Moshpit vor der Bühne fast bis zur Explosion an. So funktioniert Hardcore!
Die besinnliche Feuerwerkseinlage nach dem Agnostic Front Auftritt nutzten wir dann für eine kurze Mittagspause, um den aufgekommenen gemeinen Lochfras zu besänftigen.
Während der Show von Dimmu Borgir, der letzten Mainstage-Band des Tages, ließ ich dann meine Blicke noch einmal über die Menschenmenge vor der Hauptbühne streifen. Tausende Fans, hauptsächlich Anhänger aus den dunkleren Ecken der bösen Schädelspaltermusik, schüttelten sich enthusiastisch den Staub aus den Matten, angeheizt von der monströsen Bombast-Black-Metal-Show von Dimmu Borgir, die sowohl soundtechnisch als auch optisch überzeugte. In eine aufwendige Light-Show und tonnenweise Nebel eingetaucht gaben die sechs schwarz-weiß bemalten Norweger (Norweger! Black-Metal!! Gibt´s hier ein Nest!?!) einen sehr guten Samstag-Abend Headliner ab.
Zeit für mich, meinen Kollegen auf ein kühles Bierchen ins Backstage-Zelt zu folgen. Nach einem langen Tag voller Abwechslungen, einem sehr gut durchorganisierten Kontrastprogramm und wieder einer Norwegischen Black-Metal-Band (Was sollte da noch passieren?!?), wurde wieder gegen Ende des Tages doch noch einmal alles getoppt, denn der ultimative Programmwechsel ereignete sich, als ich ins Backstage-Zelt einlief und mir alte Slayer-Hymnen, auf der Heimorgel performt, entgegendröhnten. Mambo Kurt hat also wieder zugeschlagen. Als ich den ersten Schock überwunden hatte und mich zu meinen Kollegen an den Tisch gesetzt hatte, kam gleich noch das Sahnehäubchen hinterher: Da saßen (mehr oder weniger) doch tatsächlich die ärgsten Teufelsanknüppler Norwegens Mayhem bei uns am Tisch und outeten sich, soweit es deren körperliche Verfassung noch zuließ, als beinharte Mambo Kurt Fans. OK. Es folgte nun eine höllische Party in geselliger Runde, die uns nach einiger Zeit zu dem Schluss kommen ließ, Mambo Kurt sollte doch im nächsten Jahr besser auf der Hauptbühne auftreten.
Später beschloss ich, bevor ich wieder von den Mayhem-Überresten in den Schlaf gelullt werde, noch einmal die Lage auf der Saturday-Night-Fever-Bühne zu checken. Leider war ich dazu etwas zu spät dran, denn ich konnte nur noch einige Töne der letzten Band The Peepshows erhaschen, die ich allerdings aufgrund selbstgewählter Sinnesverstümmelung auch nur noch sekundär wahrnahm. Also machte ich mich schnell auf den Weg in mein Nachtlager, um den Tag nicht doch noch als Menschenopfer irgendeines Nordeuropäischen Höllenauswurfes beenden zu müssen.

Sonntag, 4. Juli 2004

Die dritte Nacht, die wir im Kofferraum unseres französischen Mittelklassewagens verbrachten wurde durch lästiges hämmern im Schädelbereich beendet. Da aber glücklicherweise ansonsten noch alles dran war, war die einzige Konsequenz dieses „bösen Erwachens“, den Sonntag Morgen einfach etwas chilliger angehen zu lassen. Mit den von Hanns Martin Slayer hingebungsvoll gecoverten Slayer-Hymnen im Ohr nutzten wir die erste halbe Stunde für einen kleinen Streifzug und Einkaufsbummel über das Festivalgelände.
Viertel vor zwei fanden wir uns dann aber im Hard-Bowl-Zelt ein, um uns Born Cool, die Band um die Ex-Think-About-Mutation-Musiker Vaising und Gräfe anzusehen. Straight runtergerotzte Rock-Punk-Nummern mit dezent-poppigen Synthie-Flächen untermalt, jo, so kann man einen Sonntag Morgen cool beginnen.
Gegen halb drei war es dann an der Zeit, auch mal vor die Mainstage zu schlendern, denn hier sollten jetzt ein paar Kollegen fast aus unserer Nachbarschaft auftreten. Die Jungs von Heaven Shall Burn aus Saalfeld waren an der Reihe. Und die schafften es, den schon ordentlich gefüllten Platz vor der Bühne mit ihrer absolut druckvollen und groovigen Metal-Core-Show und den korrekten und extrem sympathischen Statements ans Publikum heftigst zum kochen zu bringen. Respekt an die Kollegen aus Saalfeld!
Als nächstes bahnte sich dann Crowbar den Weg zur Bühne frei. Bereits nach den ersten Tönen wusste ich wieder, warum diese Band zu meinen absoluten Faves gehörte: Extrem coole Slow- und Midtempo-Dampfhammerriffs und göttlichste Melodieläufe auf einem tonnenschweren Groovefundament. Was braucht man mehr an einem Sonntag Nachmittag?
Ok, ein kühles Bierchen vielleicht, Frauen wären auch nicht schlecht… Und genau aus diesem Grund ging es leider schon nach ca. der Hälfte des Crowbar-Auftrittes zurück ins Hard-Bowl-Zelt, wo derzeit eine der wenigen Frauen des Festivals ordentlich Verbalprügel austeilte. Walls Of Jericho boten zumindest in Sachen Geschwindigkeit das absolute Kontrastprogramm zur Crowbar-Show. Heftigste Doublebass-Salven und fetteste Metalcore-Riffs und dazu die krassen Vocals von Frontfrau Candace waren die Zutaten dieser absolut hörens- und sehenswerten Show.
Mit Conflict wurde gleich im Anschluss wieder ein etwas anderes Klientel bedient. Old-School-Punkrock aus England stand auf der Tagesordnung.
Während der Rose Tattoo-Show setzten wir dann unseren morgendlichen Streifzug über das Festivalgelände fort, dieses mal allerdings mit dem allgegenwärtigen und eindringlichen Organ des Aussie-Frontschreihalses Angry Andersson im Ohr.
Rechtzeitig zum Auftritt von Dark Tranquillity waren wir dann wieder vor der Bühne versammelt, um die Show der Göteborger Filigran-Riffmeister mitzuerleben. Eine matteschwingende Horde Fans, die sich vom Bühnenrand bis fast zum Mischpult ausbreitete tat uns gleich und feierte eine knappe Stunde lang zu den fetten, von Harmonien und Melodieläufen nur so strotzenden Bombast-Metalkrachern der alten Schweden. Klasse Show!
Pünktlich um 19 Uhr fanden wir uns dann wieder vor der Hard-Bowl-Bühne ein, da Blood For Blood, wieder einer unserer absoluten Favoriten des Festivals, auf dem Ablaufplan standen. Das dachten sich dann auch tausende anderer Fans, denn das Zelt war zu dieser Zeit knackevoll, doch die einzigen, von denen um sieben noch keine Spur zu sehen war, waren Blood For Blood. Cool, nach drei Tagen langweiliger Planerfüllung und Zeiteinhaltung (mit Ausnahme der kurzen Verzögerung der Slipknot-Show), endlich mal was unvorhergesehenes. Was war los? Nach schon geraumer Zeit Verspätung und einer Mischung aus Buh- und Blood-For-Blood-Chören wankte der gewichtige Frontbluter ans Mikrofon, entschuldigte sich kurz für die kleine Verspätung und kündigte, während ihm eine Flasche Bier in den Hals gesteckt wurde, den baldigen Beginn der Show an. Und tatsächlich, nachdem die reguläre Spielzeit schon ca. zur Hälfte verstrichen war kamen die New Yorker endlich auf die Bühne gestolpert und nutzten den Rest der Spielzeit für eine brachiale, mitreisende Oberhammer-In-Die-Fresse-Rock´n´Roll-Hardcore-Show. Da kommt Freude auf!
Vor der Mainstage fand zur selben Zeit eine ganz andere Party innerhalb der eh schon monströsen WFF-Megaparty statt. Die Kult-Norweger Turbonegro boten den Anlass für ein internationales Turbojugend-Treffen. Der Auftritt der Rock´n´Roll-Tunten bekam dadurch das ganz besondere Flair einer riesigen Familienfeier, was der heftig rockenden Show der Norweger allerdings absolut keinen Abbruch tat. Coole Sache.
Gegen 20.30 Uhr stand nun die Wahl zwischen den Shows der Backyard Babies im Hard-Bowl-Zelt oder von Monster Magnet auf der Mainstage. Ich entschied mich für beide Bands und ließ mir zunächst von den Schweden im Zelt fettesten Rock´n´Roll um die Ohren rotzen, der mir anschließend von den Psychedelic-Harmonien von Dave Wyndorf und seinen monströsen Magneten vor der Hauptbühne heftigst breitgeschmiert wurde. Zwei Hammershows auf zwei geilen Bühnen von zwei Rock´n´Roll-Institutionen der Extraklasse.
Plötzlich war es dann auch schon 22.00 Uhr. Die Menschenmasse vor der Hauptbühne nahm nun unüberschaubare Ausmaße an und aus allen Richtungen kamen noch mehr Fans angeströmt. Die Reste aus dem Hard-Bowl-Zelt, Menschen, die gerade erst aus ihren Zelten gekrochen sind oder die Fußballfans, die eben auf der Großbildleinwand miterleben konnten, wie Griechenland Europameister wurde, versammelten sich nun vor der Mainstage, denn es wurde Zeit für den ultimativen Headliner des Festivals: Soulfly. Und gegen 22.30 Uhr war es dann soweit, der überaus motivierte und extrem gut gelaunte Max Cavalera kam mit seiner Band Soulfly auf die Bühne. In der folgenden Stunde wurden noch einmal alle Rekorde gebrochen, denn die Show der Tribal-Core Groovemaschine entwickelte sich rasend schnell zu einer der besten der vergangenen drei Tage. Die dargebotenen Hits der Soulfly-Platten animierten das frenetisch abfeiernde Publikum genau so zum springen wie z.B. der alte Sepultura-Klassiker „Roots“ und sogar der 1986(!!!)er Oldschool-Kracher „Troops Of Doom“ groovte in der Soulfly-Interpretation dass es kaum jemand auf dem Festivalgelände gab, der noch ruhig dastehen konnte. Der inzwischen zur Vulkanöffnung aufgeheizte Kessel vor der Bühne stand am Rande der Explosion und ein springender Menschenteppich vom Bühnenrand bis hinter den Mischpultturm war der sichere Beweis dafür, dass mit Soulfly ein würdiger Headliner engagiert wurde.
Was für eine Show! Was konnte das noch toppen? Richtig, gar nix! Trotzdem wagten wir uns nach einer kurzen Verschnaufpause nochmal zur Zeltbühne, wo im Rahmen der „The Last Supper“-Show gerade Atrocity am Werke war. Ich weiß nicht, ob es daran gelegen hat, dass ich mich nach ca. 60 Bands in den vergangenen drei Tagen einfach sattgehört hatte oder an der eben erlebten, nicht zu toppenden Soulfly -Oberhammershow, doch leider prallte der Auftritt von Atrocity einfach mehr oder weniger an mir ab. Haben die Jungs nicht auch mal richtig gute Musik gemacht? Einzig der Song „Archangel“ vom 1992er Album „Todessehnsucht“ zeigte, wozu Atrocity musikalisch in der Lage wären, und womit sie mit vielen anderen geilen Bands dieses Festivals hätten mithalten können.
Noch enttäuschender fand ich allerdings die danach anstehende Show von Tiamat. Ich war ja mal echt richtig begeistert von dieser Band, aber heute abend wirkten die Schweden auf mich wie eine extrem einschläfernde Schülerband. Sorry, aber wahrscheinlich lag es wirklich daran, dass ich in den letzten drei Tagen sehr viele Bands erleben durfte, die harte Musik auf extrem hohem, technisch perfekt ausgefeiltem Niveau ablieferten und ihr Können auch live in höchster Qualität präsentierten und bevor ich noch mehr enttäuscht wurde, schloss ich mich lieber der Abschiedsparty unserer Redaktionskollegen an.
Dass das Restetrinken allerdings noch einmal so ausartet, dass ich von der letzten Band des Festivals The Vision Bleak rein gar nix mehr raffte, als wir uns gegen drei Uhr nochmal zur Last-Supper-Bühne schleiften, konnte ja nun auch keiner ahnen. Also holten wir uns unser letztes Bier auf dem Festivalgelände und legten im inzwischen auch schon fast leergefegtem Backstage-Zelt noch ein lustig unkoordiniertes Flipperturnier hin, bevor wir dann mit der Gewissheit, dass wir den letzten Abend in Roitschjora ohne die Begegnung mit einem nordischen Hörnerboten beenden konnten, in den Sonnenaufgang wankten.
Hinter uns lag eine extrem geiles, sehr gut durchorganisiertes und trotz aller Heftigkeit auf den Bühnen, äußerst friedliches Festival mit einem brillantem Billing, das keine Wünsche offen ließ, zu dem wir die Veranstalter und alle Beteiligten recht herzlich beglückwünschen. Für das With Full Force Festival 2005 wünschen wir schon jetzt Gutes Gelingen und den gleichen Erfolg wie in diesem und den vergangenen Jahren!
In diesem Sinne: Mit voller Kraft voraus in Richtung WFF XII!