Summerbreeze-fronter
Summer Breeze 2005
19. Oktober 2005
Summerbreeze-fronter
summerbreeze-2002-flyer

Da ich dieses Jahr zum ersten mal zum groessten Metal Event im sueddeutschen Raum fahre, weiss ich noch nicht so recht was mich erwarten wird, aber nachdem man die Festivals (u.a. das Gothic Treffen, With Full Force, Highfield, Woodstage, Sziget, Taubertal…) dieses Jahr alle, bis auf kleine Abstriche, als gelungen bezeichnen kann und auch das Programm vom Summer Breeze einiges erwarten ließ, waren die Erwartungen hoch gesteckt.
sb0202Nach mehreren Stunden im Auto dann gleich der erste Schock bei der Ankunft. Der offizielle Zeltplatz war bereits restlos überfüllt und mehrere Kilometer vom Festivalgelände entfernt. Glücklicherweise haben wir dann noch rechtzeitig mitbekommen, das es direkt am Gelände einen Zeltplatz für Presse gab. Also alle wieder aufsitzen und dahin. Dort angekommen verbesserte sich die Laune aller schlagartig, ein kleiner gemütlicher Zeltplatz direkt am Gelände und auch in der Nähe der Duschen. sb0203Also Zelte und Sitzgelegenheiten aufgebaut und zum Gemütlichen Trinken übergehen, was sich dann auch bis in die frühen Morgenstunden erstreckte.
Am nächsten Morgen (oder sollte ich besser sagen Nachmittag) machte sich dies dann auch an meinem körperlichem Befinden bemerkbar, was wohl auch der Grund war das die erste Band die ich mir auf diesem Festival ansehen konnte erst Die Schinder waren. Die Jungs aus dem Erzgebirge lieferten wie immer eine geniale Show ab, obwohl ihnen ein dunkler Saal wohl besser steht als ein Auftritt bei strahlendem Sonnenschein. Schade nur das der wie immer charismatisch und “abgedrehte” Sänger Daniel Kaczmarek seinen Rücktritt von den Livebühnen ankündigte und auf dem Summer Breeze seinen vorletzten Auftritt gab. Bleibt abzuwarten wie es mit den Schindern, meiner Meinung nach einer der Hoffnungsvollsten deutschen Bands, ohne ihr “Aushängeschild weiter geht.sb0204
Bei Bonfire habe ich mich zum Selbstschutz meiner Gehörgänge sicherheitshalber wieder etwas zurückgezogen, Hypocrisy konnte sowohl mit jeder Menge neuem Material, wie auch mit alten Hits überzeugen. An diesem Abend habe ich mir dann nur noch 2 Bands zu Gemüte geführt, wobei eine davon mich sehr positiv überraschte und die andere mich schwer enttäuschte. Als Positive muß ich hier Ektomorf aus Ungarn erwähnen, welche ich wie ich zu meiner eigenen Schande gestehen muß bis dato nicht kannte. Auch wenn mich ihr Sound doch schwer an Sepultura erinnerte, waren sie für mich doch die Entdeckung auf dem Festival. Schwer enttäuscht war ich dann jedoch direkt im Anschluß als Tiamat die Bühne betraten. Ich als einer der größten Tiamat Fans, schon seit Urzeiten und auch bis in die neuen Tage, war von der Livedarbietung einfach nur gelangweilt. Entweder hatten die Jungs um Herrn Edlund keine Lust oder der sonst so charismatischer und in meinen Augen musikalisch genialer Kopf wird einfach zu alt fürs Livegeschäft. Nachdem ich mich der einschläfernden Wirkung von Tiamat entzogen hatte rettete ich mich mit einer Flasche Bacardi und einer Flasche Cola über den Rest der Nacht, was dann allerdings meinen Zeitplan am nächsten Tag auch wieder etwas später beginnen ließ.
Besonders erwähnen möchte ich an diesem Tag eigentlich nur Soilwork, welche eine gute Show ablieferten und natürlich Emil Bulls, welche ich dieses Jahr zwar schon 6 mal live erleben durfte, die aber immer für eine geniale und vor allem energiegeladene Show garantieren. Die Jungs und das Mädel von Bloodflowers sind mir noch aus Tagen bekannt als sie unter dem Namen Airfresh durch die Lande zogen. Ihre damals doch eher popigere und fröhlich wirkendere Musik hat mir persönlich zwar besser gefallen, aber nichts desto trotz seien sie hier noch positiv erwähnt. Für The Gathering gilt eigentlich das gleiche wie bei Tiamat: Ihr wart mal einer meiner Lieblingsbands und jetzt… naja. Nachdem ich eine halbe Stunde mit der Langeweile kämpfte, zog ich mich dann zum Bierstand zurück, was sich im nachhinein als nicht so klug erwies. Als ich dort versuchte zwei Streithähne zu trennen bekam ich als eigentlich Unbeteiligter erst einmal einen satten Faustschlag auf die Lippe. Diese bedankte sich auch gleich bei mir in dem sie mir jede Menge Blut in den Mund laufen lies. Naja ich bin ja auch selbst Schuld, wieso muß ich mich auch überall einmischen, aber irgendwie versucht man sich doch für die meistens friedliche Stimmung auf Festivals einzusetzen. Wenigstens hat der Verursacher meiner dicken Lippe dann genauso gedacht, sich mehrfach bei mir entschuldigt und noch ein Bierchen ausgegeben. Also Stimmung wieder friedlich, alle haben sich wieder vertragen, nur meine Lippe tropfte weiter fleißig vor sich hin, was dann auch dazu führte das ich keine richtige Lust mehr verspürte mir irgend welche Bands anzugucken. Ich zog mich in den V.I.P. Bereich zurück und verbrachte dort den Rest meines Abends mit einigen alten Bekannten.sb0205
Als ich dann Samstag früh erwachte, merkte ich das meine Lippe immer noch nicht der Meinung war mit bluten aufzuhören. Nach einer kurzen Begutachtung des ganzen im Spiegel mußte ich feststellen das mein “Freund” vom Vortag doch recht gut getroffen hatte. Aber was soll’s, trinken und rauchen kann man auch mit dem anderen Mundwinkel. Also möglichst schnell aufs Festivalgelände, gleich spielt Gurd. Auch eine Band die ich mir mit großen Erwartungen ansehen wollte. Aber in Vergleich zu Tiamat und The Gathering konnte Gurd zur vollsten Zufriedenheit überzeugen. Die Jungs kommen einfach genau auf die Zwölf. Egal ob ältere oder neue Stücke, das hat gerockt. Für mich mit Abstand die beste Band des Festivals.
An diesem Tag wären dann noch Flowing Tears, Sentenced und Samael positiv zu erwähnen welche alle einen souveränen Gig ablieferten und auch zu gefallen wußten. Bei Paradise Lost müßte ich da schon wieder einige Abstriche machen, aber nichts desto trotz war auch ihr Konzert doch recht hörens- und sehenswert. Für den Abschluß des Festivals konnte wohl keine würdigere Band gefunden werden. Pro Pain rockten noch mal alles was ging, was dann sogar soweit führte, das sie Aufgrund ihrer ungebremsten Spielfreude mehr oder weniger gezwungen werden mußten die Bühne zu verlassen.
Alles in Allem bleibt aber zu sagen das das Summer Breeze insgesamt ein würdiger Abschluss der Open Air Saison war. Faire Preise, schönes Wetter, gute Musik (bis auf einige Enttäuschungen)… eigentlich alles was ein Festival braucht. Die einzigen Kritikpunkte sind wohl der überfüllte offizielle Zeltplatz inklusive Shuttelservice, hier sollten sich die Veranstalter vielleicht Alternativen überlegen, und die doch etwas zu kleinliche Security, welche die Besuchern am ersten Tag nicht mal mit Kleinbildkameras aufs Gelände ließ. Auf jeden Fall kann man das Summer Breeze für das Jahr 2003 mit gutem Gewissen weiter empfehlen und auch ich werde sicherlich nächstes Jahr wieder dabei sein.